Textil (religiöser Gebrauch): Tora-VorhangBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
KGT 97/1/0
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
Textil (religiöser Gebrauch)

Tora-Vorhang

Seide, Leinen, bestickt; Gewebe: Oberstoff=fünfbindiger Kettatalas, Verstärkung=Leinwand, Futter=Leinwand; Material: Oberstoff=Seide (creme), Verstärkung=Leinen (ungefärbt), Futter=Leinen (ungefärbt); farbige Seiden- und Metallstickerei

Berlin jüdisches Jahr 5535 1774 bis 1775

Höhe:
210 cm
Breite:
145 cm

Maße des Vorhangs variieren aufgrund der uneinheitlichen Seitenkanten des Textils; Angaben nach Hoffmann; Zusatzmaß: Holzplatte mit Stoff bespannt, auf der das Objekt montiert ist: 245 x 152,5 x 2; Sondermaße: Schabracke des Tora-Vorhangs: 149x38cm

Inschrift:
hebr. (siehe verknüpftes Dokument)

Der Vorhang wurde - so die hebräische Inschrift - 1774/75 von Moses Mendelssohn und seiner Frau Fromet einer Berliner Synagoge gestiftet. Er wurde wahrscheinlich aus Fromets Brautkleid gefertigt. Moses und Fromet hatten 1762 geheiratet. 1800 kehrte Fromet in ihre Geburtsstadt Hamburg zurück und nahm den Vorhang mit. Mendelssohns Nachfahren schenkten ihn 1805 der großen Synagoge in Altona. Der oben angebrachte Querbehang zeigt Gegenstände, die zum Inventar des Tempels in Jerusalem gehörten v.l.n.r: Waschbecken, Schaubrot, Altar und siebenarmiger Leuchter (Menora). Auch die beiden Säulen entstammen der Tempelsymbolik: der Eingang zum Tempel wurde, so die biblische Beschreibung, von zwei freistehenden Säulen flankiert.
Hebr. Inschrift auf der Schabracke in dt. Übersetzung:
zwei [Bundes]tafeln
der goldene Leuchter [Menora]
der goldene Altar
das Schaubrot
das kupferne Waschbecken
Hebräische Inschrift auf dem Vorhang in deutscher Übersetzung
Mitte oben: "Krone der Tora",
Übersetzung:
Dies ist ein Geschenk //
des gelehrten R. Mosche, möge sein Fels und Erretter ihn beschützen //
Sohn des R. //
Menachem Mendel, in gesegnetem Andenken //
aus Dessau
1775-6 //
nach der kleinen Zählung //
Und seiner Ehefrau //
Frau Fromet, möge sie leben //
Tochter unseres Lehrers R. Abraham, in gesegnetem Andenken//
Gugenheim
Mitte unten: "Kohelet (535) [= 1775] nach der kleinen Zählung". Das Datum ist in Form eines hebräischen Chronograms dargestellt. Die Buchstaben bilden das Wort "Kohelet" (das biblische Buch der Prediger), gleichzeitig ergibt der nummerische Wert der Buchstaben 1775, das Jahr, in dem der Tora-Vorhang gestiftet wurde.
Dr. A. Weber hält den Vorhang aufgrund verschiedener Kriterien für die Umarbeitung der Schleppe des Brautkleides von Fromet Gugenheim.
Schreibweise Gugenheim lt. Mendelssohn-Gesamtausgabe (Mendelssohn, Moses
Gesammelte Schriften, Begonnen von I. Elbogen ... in Gemeinschaft mit F. Bamberger ... fortges. von Alexander Altmann. - Jubiläumsausg. - Stuttgart : Frommann-Holzboog.)

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Zwei Jahrtausende deutsch-jüdische Geschichte. Geschichten einer Ausstellung. [Begleitbuch]. Hrsg. von der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, 2001. [2. Auflage, 2002]. Simon Schama, Belonging. The Story of the Jews 1492-1900, London 2017 Jüdische Theologie an der Universität Potsdam. Festschrift anlässlich der Eröffnung der "School of Jewish Theology", Hrsg. von Universität Potsdam, Potsdam, 2013, S. 30 Sabine Kößling: Juden in Berlin. Der Weg in die Moderne. In: Europas Juden im Mittelalter. Begleitmaterial zur Ausstellung im Deutschen Historischen Museum. Hrsg. von Vogel / Bresky. Berlin 2005, S. 22-24. Artikel "Der Mendelssohnsche Thoravorhang" von Dr. Josef Rothschild, Zeitschrift Maajan Die Quelle, Heft 75, 2005/ 2. Quartal, Nr. 2566. Heft "7x versteckt", Artikel zum Tora-Vorhang von Maren Krüger, in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): gesammelt gefaltet gezählt, Nicolai Verlag 2009. Die Juden in Hamburg 1590 bis 1990: wissenschaftliche Beiträge der Universität Hamburg zur Ausstellung "Vierhundert Jahre Juden in Hamburg", Dölling und Galitz 1991, S. 277- 282, H.Simon. Die Krone der Tora: ein von Moses Mendelssohn und seiner Frau gespendeter Tora-Vorhang im Repräsentantensaal der Neuen Synagoge , in: Museumsjournal, 1996, Heft 1, S. 38-41, H.Simon. Dr. Annette Weber: Der Thoravorhang von Moses Mendelssohn und seiner Frau Fromet Guggenheim von 1774/5. Manuskript, 1995.
Beschriftung Rückseite:
unleserliche Inschrift mit der Nummer "30" und den Wörtern "Witwe des Herrn Moses"
Dargestellt/erwähnt:
Fromet Mendelssohn (1737 - 1812), Moses Mendelssohn (1729 - 1786)
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Chronogramm; Blume; Krone; Schaubrot; Menora; Löwenpaar (Symbol); Kohelet (Buch); Jerusalemer Tempel; Jachin; hebräische Schrift; Gesetzestafeln; Boas; Berlin; Hamburg-Altona
Schlagwort Kontext:
Dauerausstellung JMB: 5.2 Moses Mendelssohn und die Aufklärung - Moses Mendelssohn
Schlagwort Objektart:
Tora-Vorhang
Dokument:
Inschriften Tora-Vorhang KGT 97/1/0 hebräisch/englisch/deutsch

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