dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs: BeschneidungsbankBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
KGH 81/21/0
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs

Beschneidungsbank

Holz, geschnitzt, gedrechselt; Korbgeflecht

Deutschland (Südhessen) um 1750

Höhe:
129 cm
Breite:
111 cm
Tiefe:
46 cm

Die Beschneidungsbank besteht aus verschiedenen Holzsorten (u.a. Eschenholz, Laubholz und Nadelholz) und ist als Doppelsitz mit schräger Rücklehne und zwei seitlichen, balusterförmig gestalteten Armlehnen konstruiert. Das Innere des Holzrahmens der Sitz- und Rückenlehnflächen besteht aus Korbgeflecht. Sechs Stuhlbeine tragen die Sitzfläche. Während die rückseitigen drei Stuhlbeine spiralförmig gedreht sind, weisen die vorderen drei Füße eine Verzierung mit Akanthus-Ranken sowie Löwentatzen als ausgeformte Füße auf. Die sich gegenüberliegenden Stuhlbeine sind durch spiralförmig gedrehte Zargen miteinander verbunden. Diese Zargen sind wiederum mittig durch eine spiralförmige Längsverstrebung verbunden. Die vorderen drei Stuhlbeine sind im oberen Drittel mit einer Zierleiste versehen. Diese Leiste ist mit ornamentalem Akanthusblattwerk und unter dem linken Sitz zudem mit einer Spangenkrone verziert.
Beschneidungsbänke waren häufig Teil des Inventars älterer Synagogen in Deutschland. Der zweisitzigen Konstruktion kam eine bestimmte Funktion zu: Ein Sitz der Beschneidungsbank war für den Paten des Kindes bestimmt, der zweite Sitz wurde für das Erscheinen des Elias freigehalten, der als Beschützer der Kinder und Verkünder des Messias gilt und während der Zeremonie jeden Augenblick erwartet wurde.
Zwei Beschneidungsbänke des 18. Jahrhunderts sind aus den Synagogen in Deutz und Krefeld bekannt, die - ähnlich wie diese Beschneidungsbank - im Stil des Rokoko und Louis XVI. gestaltet waren.
Da diese Bank im Vergleich zu vielen anderen Beschneidungsbänken nicht durch eine hebräische Inschrift eindeutig als Beschneidungsbank zu identifizieren ist, verweisen lediglich indirekt die starke Abnutzung und Erneuerung des Korbgeflechts einer der zwei Sitzflächen sowie die einseitige Verzierung der Zierleiste mit der Spangenkrone auf den Gebrauch der Bank für den Beschneidungsritus hin.
Die Beschneidungsbank stammt wohl aus einer Synagoge im südhessischen Raum und wurde 1981 von der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums im Kunsthandel erworben.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Berlin Museum (Hg.): Judaica, Berlin 1989, S. 357, Nr. 275. Zu Vergleichsobjekten: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz (Hg.): Aus der Geschichte der Juden im Rheinland. Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler, Düsseldorf 1931, Heft 1, S. 163-165. Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung. Herausgegeben von Felicitas Heimann-Jelinek und Cilly Kugelmann (Stiftung Jüdisches Museum Berlin), Wallstein Verlag, Göttingen 2014, S. 66.
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Hessen
Schlagwort Kontext:
JMB-Thema: Riten und Bräuche im jüdischen Lebenslauf; Dauerausstellung JMB: 6.4 Tradition und Wandel - Lebenszyklus
Schlagwort Objektart:
Beschneidungsbank

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