dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs: Seder-Teller Bild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2000/564/0
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs

American Jewish Joint Distribution Committee (AJDC/Joint)

Seder-Teller

Deutschland ca. 1947 bis 1948

Höhe:
2.9 cm
Durchmesser:
25.9 cm
Signatur:
Stempel auf der Unterseite: Employment Board; hebr.: "Tozeret schearit ha-pleita be-galut germania" (Hergestellt vom Rest der Geretteten in der deutschen Diaspora)
Inschrift:
"JOINT"; Hebräisch: "Religionsbüro / Aus den Lagern in die Freiheit / Dieses Jahr in Jerusalem."

Runder Teller mit hellblauer, blasser Glasur. Im Fond befinden sich sechs ovale Felder für die symbolischen Sederspeisen. Auf der Fahne zwei reliefartige, sich gegenüberliegende Darstellungen:
- Drei Personen vor dem Hintergrund einer Pyramide; eine Person schiebt eine Schubkarre, die zweite Person trägt eine Last auf dem Rücken, die dritte Person treibt die beiden anderen mit einer Peitsche an.
- Silhouette einer orientalisch anmutenden Stadt mit runden Kuppeln und Palmen
- Ebenfalls auf der Fahne befindet sich eine erhabene Kartusche mit volutenartig auslaufenden Rändern, die eine Inschrift enthält: JOINT/auf hebr:"misrad dati" (Religionsbüro)
Der Joint (American Jewish Joint Distribution Committee) wurde 1914 als Wohltätigkeitsorganisation zur Unterstützung von Juden während des Ersten Weltkrieges gegründet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richtete Joint verschiedene DP (Displaced Persons) -Lager in Deutschland und in anderen Ländern ein. In diesen Lagern wurden sowohl Programme zur allgemeinen Bildung und zur beruflichen Qualifikation, als auch mit religiösen und kulturellen Inhalten organisiert. Diese Kurse sollten den Wiederaufbau der jüdischen Identität fördern und den Teilnehmern Fähigkeiten zum Einstieg in den Arbeitsmarkt vermitteln (darunter auch die Herstellung von Keramik) . Der Schwerpunkt dieser Arbeit lag bei der Vorbereitung der DPs für eine Emigration nach Erez Israel (Palästina), wenngleich sich viele für eine Auswanderung in die Vereinigten Staaten oder in andere Länder entschieden. Die Pessach-Geschichte, die vom Auszug der alten Israeliten von der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit des Gelobten Landes erzählt, erhielt für die Überlebenden in den DP-Lagern eine besondere symbolische Bedeutung.
Traditionell endet der Seder-Abend mit dem Wunsch: "Nächstes Jahr in Jerusalem", dieser Seder-Teller enthält jedoch die ungewöhnliche Inschrift: "Von der Sklaverei zur Freiheit: Dieses Jahr in Jerusalem". Dadurch wird der konkrete Wunsch, so schnell wie möglich nach Palästina zu emigrieren, ausgedrückt.
Solche fragilen jüdischen Zeremonialobjekte wurden massenhaft produziert und waren für die Verteilung an Überlebende des Holocaust bestimmt. In einigen Fällen ist bekannt, dass DPs bei der Herstellung der Stücke mitwirkten. So wurden beispielsweise in einer Keramikwerkstatt in Marktredwitz, Bayern, Seder-Teller hergestellt, die für die Pessachfeiern des Jahres 1948 an verschiedene DP-Lager in Deutschland verteilt wurden. Erzeugnisse wie Chanukka-Lampen wurden ebenfalls in Massenproduktion hergestellt.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Seder-Teller zum Vergleich in: "Die Pracht der Gebote, Die Judaica-Sammlung des Jüd. Museums Frankfurt/Main, Georg Heuberger,Köln,Wienand, 2006, Nr. 295 (blau) und Nr. 293 (grün). Museum of Jewish Heritage, NY, Inv. Nr. 1999.A.1004. Magnes Museum, Berkeley, CA, Inv. Nr. 85-11a.
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Schemot: Die Geschichte von Moses in Ägypten; Werkstatt; Seder-Speise; Pessach-Haggada; jüdische Organisation; Jerusalem; Hilfsorganisation; hebräische Schrift; Deutschland
Schlagwort Kontext:
Dauerausstellung JMB: 13.1 Gegenwart - Befreiung und "Wiederaufbau"; Schoa-Überlebender (Erste Generation); Nachkriegszeit; DP-Lager
Schlagwort Objektart:
Seder-Teller

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