dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs: Chanukka-Leuchter aus dem Besitz von Saul LoebBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2001/197/2
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs

Chanukka-Leuchter aus dem Besitz von Saul Loeb

Messing : Fuß: Messing, gedrückt, vernickelt; Aufsatz: Messing gegossen, vernickelt

Deutschland ca. 1898 bis 1920

Höhe:
32 cm
Breite:
30 cm

Der Leuchter steht auf einem runden, zweifach getrepptem Fuß. Die Wandung des Fußes ist in seiner Mitte umlaufend mit einem ca. 1cm breitem Gitterwerk versehen. Auf den Fuß folgt ein balusterförmiger Schaft an dessen Oberseite die Leuchterarme befestigt sind. Die Leuchterarme bestehen aus zwei stilisierten Pflanzenranken, die reichhaltig mit Rocaillen verziert sind und jeweils vier Abzweigungen haben, an deren obersten Enden sich die Kerzenhalter befinden. Von den ursprünglich acht Kerzenhaltern auf der oberen Seite des Leuchters sind nur noch sechs vorhanden. Die Kerzenhalter sind zylinderförmig geformt. An der Vorderseite befindet sich ein weiterer, kleinerer Leuchterarm, der einen weiteren Kerzenhalter für das Dienerlicht (Schammasch) trägt. Ursprünglich befand sich im Fuß des Leuchters eine Spieluhr.
Zitat aus den Aufzeichnungen des Stifters, Saul Loeb aus dem Jahr 2000 hierzu:
"Ein Mann, der den Krieg überlebt hatte, kehrte nach Kriegsende zurück nach Berlin, um nach seiner Familie zu suchen. Seine Eltern waren nicht mehr in dem Haus, in dem sie früher gelebt hatten, und eine Nachbarin, die nicht jüdisch war, erzählte ihm, daß seine Eltern von den Nazis abgeholt worden sind. Doch bevor sie abtransportiert wurden, hat die Mutter des Mannes der Nachbarin die "Menorah" gegeben. Die Nachbarin bewahrte die "Menorah" den Krieg über auf, und sie erzählte, daß sie, als Berlin bombardiert wurde, Kerzen auf der "Menorah" angezündet habe. Sie glaubte fest, das habe ihr das Leben gerettet. Die Nachbarin gab dem Mann die "Menorah" seiner Eltern zurück, und dieser Mann gab sie später mir.
Früher einmal war eine Spieluhr (music box) im Fuß der Menora."
Saul Loeb, der in den USA geboren wurde, kam 1944 als GI nach Europa und 1945 nach Berlin, wo er der Assistent eines Militärrabbiners wurde. Er erlebte in Berlin die unmittelbare Nachkriegszeit und kümmerte sich um DP's und Überlebende der Schoa. Auf seine Initiative hin wurde eine Villa in Berlin-Dahlem beschlagnahmt und darin das Jewish Chaplain's Center eröffnet, wo Hochzeiten, Gottesdienste und Feiern stattfanden. Damit wurden Weichen für das jüdische Leben in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gestellt.
Der Fabrikant Max Lamm aus Buttenwiesen in Bayern verkaufte diesen Lampentyp. Die ursprünglich vorhandene Spieluhr spielte das Lied "Maos Tzur". Siehe illustrierte Werbeanzeige in: Der Israelit, 1898, Heft 95 (1.12.1898) (Neuheit!) und in: Der Israelit, 1911, Heft 49 (7.12.1911).

Dargestellt/erwähnt:
Max Lamm, Saul M. Loeb
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Chanukka-Lied
Schlagwort Kontext:
Dauerausstellung JMB: 0.3 Achse des Holocaust; Weltkrieg (1939-1945); Überlebender; Deportation; jüdisch-christliche Beziehung
Schlagwort Objektart:
Chanukka-Leuchter

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