dreidim. Gegenstand des weltlichen Gebrauchs: Stutzuhr aus dem früheren Besitz der Familie Nathan aus MainzBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2002/4/0/1-5
Sammlungsbereich:
Alltagskultur
Gattung:
dreidim. Gegenstand des weltlichen Gebrauchs

Gustav Becker

Stutzuhr aus dem früheren Besitz der Familie Nathan aus Mainz

Holz ( Mahaghoni, Nadelholz), Glas, Messing oder Bronze

Freiburg i. Schl. 1890 bis 1892

Höhe:
50 cm
Breite:
30 cm
Tiefe:
20 cm
Inschrift:
Visitenkarte: PHONE 349-3311 // O. L. PETTIS // CLOCK REPAIR SPECIALIST // CHIME - WIND UP - BATTERY - ELECTRIC-ANTIQUE / ALL KINDS REPAIRED - NO CHARGE FOR ESTIMATES // 1 MILE FORTH OF HIGHWAY 37 ON HIGHWAY 166 / TOMS RIVER NEW JERSEY; [...]

Stutzuhr im Spätrenaissance-Stil in Form einer reich dekorierten Giebelfront. Die Uhr besitzt ein dunkelbraunes Holzgehäuse mit goldenen, floralen Applikationen und steht auf vier gequetschten Kugelfüßen. Mittig befindet sich das weiße, verglaste Ziffernblatt mit arabischen Zahlen, das von zwei reliefartig geschnitzten Balustraden flankiert wird. Die Spitze des Uhrengehäuses ist turmdachartig gestaltet, im Giebel befindet sich eine goldene Applikation mit einem dickbackigem Puttengesicht. Die Turmspitze ist abnehmbar, darunter verbirgt sich ein kleines Fach, in dem sich der Schlüssel zum Aufziehen der Uhr und ein kleiner Umschlag befindet. In dem Umschlag liegt eine Rechnung zur Reparatur der Uhr mit zugehöriger Visitenkarte. Die Rechnung besteht aus einem roten Vordruck, der handschriftlich mit Bleistift ausgefüllt ist: Vs.:" May 22 19 1[1?] / M W[er]theim[er] / No. 938-2921 / [M]antle / Clock / repaired 18,00 / 90 / 18,90" Rs.: "fasten turn to / night / [Allover / repaired]"
Gustav Karl Nathan (1885-1960er Jahre) wanderte im Oktober 1926 von Mainz nach New York aus, die Standuhr nahm er mit. Er stammte aus Ingelheim, wo seine Familie seit Generationen Pferdehandel betrieb. Sein Vater Moritz Nathan zog mit seiner Frau, Karl und dessen Schwester Selma nach Mainz. Karl Nathan nahm am I. Weltkrieg teil. Als er aus dem Krieg zurückkehrte schlug er die Banklaufbahn ein und wanderte 1926 in die USA aus, wo er in New York als Börsenmakler arbeitete. Nach 1933 half er vielen Mainzer Juden durch Affidavits bei der Emigration in die USA. Nach seinem Tod erbte Karl Nathans Cousine Lilli Neumann, geb. Nathan die Uhr in den 1960er Jahren. Sie war 1939 mit ihrer Familie aus Mainz in die USA geflüchtet. Lilli Neumann schenkte die Uhr vor vielen Jahren der Tochter einer Freundin, ebenfalls mit deutsch-jüdischem familiären Hintergrund. Die Tochter, aufgewachsen in den USA und seit vielen Jahren in Deutschland lebend, brachte die Uhr wieder mit nach Deutschland und schenkte sie dem Jüdischen Museum Berlin.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Hans-Georg Meyer/Gerd Mentgen: Sie sind mitten unter uns. Zur Geschichte der Juden in Ingelheim, Ingelheim 1998. S. 201-203: Die Pferdehandlungen der Familie Nathan, mit Abbildungen u.a. von Karl Nathan und Lilli Neumann. Karl Kochmann: Gustav Becker Story, Antique Clock Pub; Revised edition (1977), 80 S.
Beschriftung Rückseite:
Beschriftung Innenseite Rückwand:
Diverse Zahlen betr. die Reparaturen der Uhr und, mit Bleistift geschrieben: Nathan Gaustr.
Beschriftung auf der Rückseite des Uhrgehäuses:
Gustav Becker, Freiburg i. Schl.
Produktionsnummer: 923427
runder Stempel enthält Krönchen mit Initialen GB
Dargestellt/erwähnt:
Karl Nathan
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Mainz; Świebodzice
Schlagwort Kontext:
Emigration in die USA; Familiengeschichte
Schlagwort Objektart:
Uhr

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