Urkunde: Adoptionsvertrag zwischen Bernhard Gloeden und Erich (1888-1944) und Ursula Loevy (1897-1972)Bild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2004/35/3/2004/35/3.001-002
Sammlungsbereich:
Archiv
Gattung:
Urkunde

Alfred Diamant

Adoptionsvertrag zwischen Bernhard Gloeden und Erich (1888-1944) und Ursula Loevy (1897-1972)

Papier, Tinte, Stempelfarbe

Berlin 20.7.1918

Höhe:
30 cm
Breite:
21 cm

Vordruck maschinen- und handschriftlich, Doppelblatt mit Einlage, beglaubigt, Gebührenmarken, Notariatssiegel.
1918 ließen sich die beiden Kinder von Siegfried Loevy, Erich und Ursula, von dem befreundeten Gymnasialprofessor Bernhard Gloeden adoptieren. Die Erbfolge war vertraglich ausgeschlossen; der einzige Zweck der Adoption war die Annahme eines nicht mehr jüdisch klingenden Namens. Die Adoption fand zum frühstmöglichsten Zeitpunkt statt, nach der Volljährigkeit der 1897 geborenen Ursula. Ansonsten hätte das Vormundschaftsgericht Widerspruch eingelegt.
Die "Flucht" aus jüdisch klingenden Namen und der damit einhergehende Wunsch nach dem Ende alltäglicher Diskriminierung haben eine lange Tradition. Anträge auf Namensänderung wurden von der preußischen Bürokratie jedoch fast immer abschlägig beschieden, da nach ihrer Auffassung Juden durch ihren Namen erkennbar bleiben sollten. Ein Weg, diese antisemtische Verwaltungspraxis zu konterkarieren, war die Adoption.
Allerdings bezeichnete noch 1906 das Kammergericht Berlin einen ähnlichen Adoptionsvertrag als "simulierten Vertrag" und damit als rechtsunwirksam. Während des Ersten Weltkriegs kam es zu einer liberaleren Handhabung des Namensrechts. Gleichzeitig hatten die Träger jüdisch klingender Namen durch die berüchtigte "Judenzählung" des preußischen Kriegsministeriums verstärkt unter antisemitischen Anfeindungen zu leiden.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Lit.: Dietz Bering: Der Name als Stigma. Antisemitismus im deutschen Alltag 1812-1933, Stuttgart 1992. "Dem Deutschen Volke": die Geschichte der Berliner Bronzegießer Loevy / Hrsg. von Helmuth F. Braun und Michael Dorrmann, Berlin 2003. Heft "7x konvertiert", Artikel zum Adoptionsvertrag von Franziska Bogdanov, in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): gesammelt gefaltet gezählt, Nicolai Verlag 2009.
Dargestellt/erwähnt:
Evalina Charlotte Ursula Gloeden (30.3.1897 - 1972), Erich Gloeden (23.8.1888 - 30.11.1944)
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Berlin-Hansaviertel (Ortsteil); Adler; Krone; Geschwister; Erwachsener; Berlin-Charlottenburg (Ortsteil); Berlin; Adoption
Schlagwort Kontext:
Dauerausstellung JMB: 15.2 Deutsche und Juden - Identitäten; Namensänderung; Antisemitismus; Abwehr
Schlagwort Objektart:
Vertrag

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