dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs: WidmungspokalBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2003/123/0
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs

Widmungspokal

Silber, gedrückt, graviert, innen vergoldet

Deutschland ca. 1850 bis 1880

Höhe:
20.5 cm
Durchmesser:
9.3 cm

Der Durchmesser wurde gemessen an der breitesten Stelle, dem Unterteil des Bechers D Lippenrand= 9,40 cm

Inschrift:
Unterhalb des Lippenrandes: "Herrn // Louis Lehmann // Die Mitglieder des Mendelssohn- // Leseverein // Homburg v.d.H. // 1. Juli 1880 // 22. Tamus 5640" gegenüberliegende Seite, hebr.: "Elohai // Awi // Ezri" (mein Gott, mein Vater, meine Hilfe)

Der Becher steht auf einem dreifach getreppten, runden Fuß, wobei eine der Treppen umlaufend mit einem graviertem Dreiecksmuster verziert ist. Der nach oben hin erweiterte Schaft weist an seiner Ober- und Unterseite jeweils eine Einschnürung auf. Auf den Schaft folgt die Kuppa, deren glatte Wandung nach oben hin etwas breiter wird. Der schwach nach aussen geschwungene Lippenrand des Bechers ist mit Schnurbändern abgesetzt, unter denen sich das Dreiecksmuster des Fußes wiederholt. Auf der Vorder- und Rückseite befinden sich Gravuren. Der Becher ist im Inneren vergoldet. Schaft und Fuß des Bechers sind hohl.
Die Inschrift "Herrn // Louis Lehmann // Die Mitglieder des Mendelssohn- // Leseverein // Homburg v.d.H. // 1.Juli 1880 // 22. Tamus 5640" wurde in verschiedenen Schriftarten eingraviert, wobei der Name Louis Lehmann durch filigran verzierte Anfangs- und Schlussbuchstaben besonders hervorgehoben wird. Die Worte "Herrn", "Die Mitglieder des Mendelssohn-Leseverein" und die Datumsangaben sind in Scheibschrift dargestellt, die Ortsangabe "Homburg v.d.H." (= Bad Homburg von der Höhe) in Druckbuchstaben.
Die hebräische Inschrift der gegenüberliegenden Seite
"Elohai // Awi // Ezri" (mein Gott, mein Vater, meine Hilfe) befindet sich in einer ovalen, eingravierten Kartusche, die von symmetrisch geschwungen Ranken und Blattdekor umrahmt wird. Diese umgeben den Becher bis zu der Widmungsinschrift.
Der Becher wurde dem Urgroßonkel des Vorbesitzers geschenkt, dessen Name Louis Lehmann (1829-1900) war. Der Kaufmann Louis Lehmann war der Mitinhaber des bekannten Homburger Geschäfts "Lehmann & Eichenberg" in der Louisenstraße. In den Jahren 1876-1885 gehörte er dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde Bad Homburg an. Er zählte zu dem liberalen Flügel der damals zwischen den Liberalen und Orthodoxen tief gespaltenen Gemeinde. Lehmann war Ehrenpräsident im "Verein zur Ausstattung isr. Mädchen". Er war literarisch interessiert und begabt. Von ihm sind mehrere, in der lokalen Zeitung veröffentlichte Gedichte bekannt. Besondere Verdienste erwarb er sich offensichtlich beim Bau des neuen jüdischen Gemeindehauses in Bad Homburg, das 1877 eingeweiht wurde. In dem multifunktionalen Gebäude befand sich im ersten Stock die "Moses Mendelssohn Bibliothek", die jedoch erst 1886 zum 100. Todestags vom M. Mendelssohn eingerichtet wurde.
Im ehemaligen Gemeindehaus befindet sich heute die örtliche Volkshochschule. Das Gebäude trägt den Namen "Bernhard Beling Haus". Die Synagoge wurde 1938 zerstört und die Bücher der Bibliothek sind spurlos verschwunden.

Beschriftung Rückseite:
siehe Beschreibung
Dargestellt/erwähnt:
Mendelssohn-Leseverein, Louis Lehmann
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Bad Homburg vor der Höhe; Verein; Lektüre (Motiv); hebräische Schrift; Deutschland
Schlagwort Kontext:
Dauerausstellung JMB: 5.1 Moses Mendelssohn und die Aufklärung - Juden in Deutschland; Geschenk; jüdische Gemeinde; Gemeindeleben
Schlagwort Objektart:
Pokal
Dokument:
Priebatsch_Lehmann_Inventarliste

Schreiben Sie uns: