dreidim. Gegenstand des weltlichen Gebrauchs: Konfektdose aus der Produktion der Haël-WerkstättenBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2006/74/49
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des weltlichen Gebrauchs

Margarete Heymann-Loebenstein (später Marks) (1899 - 1990), Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik

Konfektdose aus der Produktion der Haël-Werkstätten

Steingut, glasiert

Marwitz 1923 bis 1934

Höhe:
13.5 cm
Durchmesser:
22 cm
Signatur:
Auf der Unterseite, in blau: Pinselmarke der Haël-Werkstätten

Auf hohem, konischem Fuß mit runder Standfläche befindet sich der trichterförmige Hauptkorpus der Schale, an dem seitlich je zwei Dreicksegmente untereinander als Halter angebracht sind. Die Schale ist mit einer matt gelben Glasur versehen.
Wie dem zeitgenössischen Verkaufskatalog zu entnehmen ist, verfügte die Schale ursprünglich über einen Deckel und fungierte als Konfektdose. Diese Dose, die die avantgardistische Formensprache des Kubismus und Art Déco aufgreift, wurde in den 1920er Jahren in den "Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik" hergestellt. Sie wurde von den Nationalsozialisten explizit auf Grund ihrer modernen Formensprache angegriffen. Das nationalsozialistische Propagandablatt "Der Angriff" druckte 1935 eine Abbildung dieser Dose und weiterer Erzeugnisse der "Haël-Werkstätten" ab und bezeichnete sie als "Dinge für die Schreckenskammer".
Die "Haël-Werkstätten" wurden 1923 von der Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein gemeinsam mit ihrem Ehemann Gustav Loebenstein und dessen Bruder in einer alten Ofenfabrik bei Berlin gegründet. Der Name Haël setzte sich aus "H" für Heymann, dem Mädchennamen der Keramikerin, und "L" für Loebenstein zusammen. Margarete Heymann- Loebenstein oblag die künstlerische Leitung des Betriebs. Nachdem ihr Ehemann und dessen Bruder bei einem Autounfall ums Leben kamen, übernahm sie die gesamte Leitung des Betriebs. Moderne Formen, abstrakte Dekors und ungewöhnliche Glasuren waren das Markenzeichen der "Haël-Werkstätten".
Nach 1933 musste Margarete Heymann-Loebenstein, die doppelt als Jüdin und moderne Künstlerin von den Nationalsozialisten diffamiert wurde, die Produktion ihres Betriebs einstellen. Im Jahr 1934 wurden die Haël-Werkstätten arisiert, zwei Jahre darauf gelang der Keramikerin die Emigration nach England. In England setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort, konnte jedoch nicht an ihre großen Erfolge in Deutschland anknüpfen. Nachdem die verwitwete Künstlerin 1938 erneut heiratete, nahm sie den Nachnamen "Marks" an.
1994 besuchte die Tochter von Grete Marks in Begleitung eines Freundes, der für sie übersetzte, Hedwig Bollhagen, die die künstlerische Leitung der Haël-Werkstätten nach deren Arisierung übernommen hatte. Ihnen wurden die Objekte gezeigt, die in dem diffamierenden Hetzartikel von 1935 abgebildet und angegriffen worden waren und diese wurden der Familie zurückgegeben. Dazu zählte auch diese Konfektdose, die dem Jüdischen Museum 2006 von den Erben Grete Marks´ geschenkt wurde.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Haël-Werkstätten, Verkaufskatalog um 1930, S. 1, Nr.: 452 (Abb.). Krüger, Maren: "Achtung Zerbrechlich!" , in: Museumsjournal "Zwei", Nr.7, 2008 (Abb.). Krüger, Maren: Keramik, in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): gesammelt gefaltet gezählt, Heft "7x blau-weiß", Berlin 2009. Vergleichsobjekt: Bröhan-Museum: Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919-1933, Ausstkat., Berlin 2012, S. 65, Nr. 40 (Abb.).
Dargestellt/erwähnt:
Hedwig Bollhagen (1907 - 2001)
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Marwitz
Schlagwort Kontext:
JMB-Thema: Jüdische Künstler und Firmen im Bereich der Angewandten Kunst; Dauerausstellung JMB: 10.3.1 Berlin, Berlin - Kunst; Emigration nach Großbritannien; Keramikindustrie; berufstätige Frau; Avantgarde; Arisierung
Schlagwort Objektart:
Dose

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