Urkunde: Verleihungsurkunde Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer für Jakob Schrimmer (1882-1942)Bild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2006/77/2
Sammlungsbereich:
Archiv
Gattung:
Urkunde

Verleihungsurkunde Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer für Jakob Schrimmer (1882-1942)

Papier, Tinte, Stempelfarbe

Berlin 30.1.1935

Höhe:
14.8 cm
Breite:
21 cm
Signatur:
Gummistempel: Der Polizeipräsident. Polizeiamt Neukölln-Treptow

Vd., masch. ausgefüllt, gestempelt
In der Urkunde wird Jakob Schrimmer als Vertreter bezeichnet. Er erhielt das Ehrenkreuz als sogenannter Kriegsteilnehmer. Kriegsteilnehmer in diesem Sinne waren alle Reichsdeutsche, die in dem Zeitraum vom 01.08.1914 bis zum 31.12.1918 auf deutscher Seite oder auf der Seite der Verbündeten Kriegsdienst geleistet hatten, d.h. jeder, der im Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen worden war. Auch das Personal des freiwilligen Motorbootkorps, des freiwilligen Automobilkorps und der freiwilligen Krankenpflege zählte hierzu, soweit der Einsatz zumindest zeitweise im Kriegsgebiet stattfand.
Folgendes berichtet die Stifterin zu ihren Großeltern:
Meine Grosseltern wohnten gegenüber von meiner Mutter und mir im Voderhausparterre, Tellstr. 11. Meine Mutter erzählte mir das "Opa" zwei Tabakgeschäfte in Lichtenberg hatte (Sie wohnten Niederbarnimstr. 8) und das er diese, zusammen mit ihrer Erbschaft von einer Tante, verspielt hat. Meine Erinnerungen sind, dass er zuckerkrank war und sich jeden Morgen eine Spritze gab. Ich war oft nebenann bei Oma und Opa und durfte mich nicht rühren wenn er sich die Spritze gab. Opa rauchte Pfeife und als es keinen Tabak mehr gab rauchte er getrocknete Rosenblätter.
Opa züchtete Vögel, zuerst als Hobby in der Küche und dann im Laden welcher vorne an der Wohnung war. Dieser war von oben bis unten voller Käfige, kleine oben, grössere mit Papageien unten. Die unteren Käfige waren gross genug das ich reingehen konnte aber das war mir verboten weil diese Vögel bissen. Trotzdem war ich oft in den Käfigen mit den Papagein und wurde nie gebissen. Opa hatte viele Bekannte in der Tierbranche und er und ich besuchten die Läden öfters. Ich glaube alle diese nahmen dann die Vögel.
Oma Bia (Vaters Mutter war Oma Emma) brachte mir Schreiben und Lesen bei weil ich nicht in die Schule durfte. Sie war eine strenge Lehrerin und ich lernte schnell. An Mathemaktik mangelte es und ich lernte nur die Grundsachen. Ich weiss nicht ob ich mich deswegen nie mit Mathematik vertragen habe. Mit 8 Jahren las ich fast alles was mir in die Hände kam, ob ich es verstand oder nicht. Sie war auch ausgezeichnete Köchin und Schneiderin und konnte aus nichts was hervorbringen. Meine Puppen und ich waren oft egal bekleidet. Sie brachte mir Tischmanieren bei und ich lernte wie man Fisch mit 2 Gabeln von der Grete nimmt so das ein sauberes Skelett daliegt. Heutzutage imponiere ich noch manchem Kellner damit. Im Herbst/Winter wenn es früh dunkelte, so zwischen 4 und 5, nahm sie mich auf den Schoss und erzählte mir eine Geschichte. Es war unsere Blaue Stunde und es ist immer noch eine Tageszeit in der ich mich wohlfühle.
Grossvater Schrimmer wurde 1942 nach Sachsenhausen geschickt. Auf dem Totenschein steht, dass er an der Ruhr gestorben ist. Ein Mann der aus Sachsenhausen raus kam, besuchte mal meine Mutter und sagte ihr, das all die alten Männer erschossen wurden und dann verbluteten aber diejenigen die eine Auszeichnung vom ersten Weltkrieg hatten wurden sofort erschossen. Dieses letztere hörte ich erst von meiner Mutter in späteren Jahren.
Oma Bia wurde bei der Grossaktion im Februar 1943 (Fabrikaktion) von der Arbeit abgeholt. Meine Mutter auch, wurde aber freigelassen. Sie sagte mir mal das sie noch rasch nach Hause ging und einen warmen Mantel für Oma holte und ihn ihr brachte. Oma sagte nur, "nun geh schon."
Ein Kriegsbehinderter SS Mann und seine Frau zogen in die Wohnung meiner Grosseltern. Man erzählte uns nach dem Krieg als die Russen nur einige Strassen entfernt waren, bedrohte er mit einer Pistole die Leute im Luftschutzkeller des Hauses nicht zu kapitulieren, denn der Krieg wird gewonnen werden.

Dargestellt/erwähnt:
Jakob Schrimmer (17.11.1882 - 26.10.1942)
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Neukölln (Bezirk) (Berlin); Weltkrieg (1914-1918); Orden (Ehrenzeichen)
Schlagwort Kontext:
Zeit der NS-Herrschaft; Patriotismus; Wehrdienst
Schlagwort Objektart:
Verleihungsurkunde
Dokument:
Das Ehrenkreuz_Artikel C.V.-Zeitung 19.07.1934

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