dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs: Hawdala-TellerBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2006/163/0
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs

Edith Marcus (1888 - 1941), C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik

Hawdala-Teller

Porzellan, bemalt, bedruckt (Aufglasur)

Altona, Deutschland Produziert 1. Drittel 20. Jhdt.; bemalt 1936 1901 bis 1936

Höhe:
2.6 cm
Durchmesser:
25.2 cm
Signatur:
Auf dem Boden der Rückseite, mittig: Marke der Porzellanfabrik Carolus Hutschreuther aus den Jahren 1901-1933; darüber handschriftlich mit goldener Farbe: "Edith Marcus./ Altona./ 1936."; am Rand: Seriennummer
Inschrift:
Umlaufend auf der Fahne auf Hebr.: "Ha-mawdil bejn kodesch le-chol. Chatotejnu jimchol/ sarejnu we-chaspejnu jarbe ka-chol we-cha-kochawim ba-laila" (dt. Übersetzung siehe Beschreibung)

Runde Porzellanplatte mit schwarz-goldener Borte, die von Hand mit Ornament- und hebräischem Schriftdekor bemalt ist. Auf der Fahne befindet sich folgende umlaufende hebräische Inschrift in goldenen Lettern auf gelbem Grund: "Der scheidet zwischen Heiligem und Profanem. Unsere Sünden werden vergeben/unsere Nachkommen und unser Geld wird sich so vermehren wie der Sand und wie die Sterne in der Nacht." Am oberen Rand wird die Inschrift durch einen golden umrandeten Kreis von 4 cm Durchmesser durchbrochen. In dem Kreis ist vor schwarzem Hintergrund eine stilisierte Menora abgebildet. Auf der gegenüber liegenden Seite der Fahne wird die Inschrift durch eine Darstellung der Gesetzestafeln unterbrochen, die links und rechts von je einem Löwen flankiert werden. Das Feld zwischen der Inschrift auf der Fahne und dem äusseren Rand des Fonds ist mit einem floralen Muster aus Blüten verschiedener Größe und Farbe gefüllt. Begrenzt wird das florale Muster nach innen durch zwölf lila- und gelbe Kreise, die mittig von einer umlaufenden roten Linie geteilt werden. Die umlaufende rote Linie ist 0,5 cm breit und bildet einen Kreis, dessen Mittelpunkt auch der Mittelpunkt des Tellers ist. Unterhalb dieser Linie sind die Unterseiten von sechs der Kreise mit goldener Farbe zu stilisierten Blüten gestaltet. In der Mitte des Tellers befindet sich ein goldfarbener Magen David, dessen oberer Zacken in die Darstellung einer Besamim-Büchse mündet. Unterhalb des Magen David ist ein springender Hirsch und ein, den Hirsch verfolgender Hund, abgebildet. Zur linken Seite des Magen Davids ist eine gelbe, geflochtene Hawdala-Kerze mit Flamme dargestellt, zur rechten Seite des Magen Davids befindet sich die Darstellung eines gläsernen, weinrot und goldfarbenen (Kiddusch-)Bechers.
Der Teller wurde zwischen 1901 und 1933 von der bayerischen Porzellanfabrik Carolus Magnus Hutschenreuther in Hohenberg hergestellt und im Jahr 1936 von Hand bemalt. Der Signatur auf der Rückseite des Hawdala-Tellers zufolge stammt die Bemalung des Tellers von der Hamburger Künstlerin Edith Marcus.
Das Menora-Motiv auf dem Teller ist der Fassade der Synagoge in der Oberstraße in Hamburg entlehnt. Die Fassade dieser 1931 erbauten Hamburger Synagoge, deren Architektur den modernen Ideen des "Neuen Bauens" verpflichtet ist, zierte eine stilisierte Menora als Fenster. Der Hawdala-Teller war wohl ein Geschenk für den ersten Rabbiner dieser Synagoge, den liberalen Rabbiner Dr. Bruno Italiener (1881-1956). Der Teller wurde 1981 von der Tochter des Rabbiners anlässlich des 100. Geburtstags ihres Vaters der Central Synagogue (New York) gestiftet. Die Central Synagogue veräußerte in den Jahren 2006 und 2007 Teile ihrer Judaica-Sammlung und der Hawdala-Teller konnte in diesem Kontext durch das Jüdische Museum Berlin erworben werden.
Die Künstlerin Edith Marcus hatte bei dem renommierten Historienmaler und Präsidenten der Königlichen Akademie der Künste Arthur Kampf in Berlin ein dreijähriges Malereistudium absolviert. Nach Studienreisen durch ganz Europa ließ sie sich in ihrer Heimatstadt Hamburg als freischaffende Künstlerin nieder. Edith Marcus machte sich dort insbesondere als Gemäldemalerin verschiedener Sujets und Genres einen Namen. Nach 1933 wurde die Künstlerin auf Grund ihrer jüdischen Herkunft sukzessive entrechtet und schließlich im Juni 1938 aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleich kam. Sie engagierte sich daraufhin im Jüdischen Kulturbund Hamburg. Am 6. Dezember 1941 wurde sie ins KZ Riga deportiert. Sie wurde dort vermutlich noch in demselben Jahr ermordet.

Nur wenige der Werke der Künstlerin sind heute bekannt. Im Museum für Hamburgische Geschichte befindet sich eine Zeichnung von Marcus, die die Fassade und das Fenster in Form einer Menora des Israelitischen Tempels in der Oberstraße 120 in Hamburg zeigt.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Krüger, Maren: Hawdala-Teller, in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): gesammelt gefaltet gezählt, Heft "7x getrennt", Nicolai Verlag 2009 (Abb.). Zu Edith Marcus: Bruhns, Maike: Kunst in der Krise, Bd. 1: Hamburger Kunst im Dritten Reich, Hamburg 2001, S. 315-318. Bruhns, Maike: Kunst in der Krise, Bd. 2: Künstlerlexikon Hamburg 1933-1945, Hamburg 2001, S. 282-283.
Beschriftung Rückseite:
Auf der Rückseite in roter Schrift:
"10T11/18069/unvollständige 0 "und ein runder, blauer Aufkleber von 1,8 cm Durchmesser mit der handschriftlichen Inschrift: "N.Y.CS/642"
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Central Synagogue (New York); Hirsch; Hund; Synagoge Oberstraße (Hamburg); Blume; Menora; Magen David; Löwenpaar (Symbol); Kiddusch-Becher; hebräische Schrift; Hawdala-Kerze; Gesetzestafeln; Hamburg-Altona
Schlagwort Kontext:
Dauerausstellung JMB: 6.3 Tradition und Wandel - Schabbat; Geschenk; Rabbiner; Künstlerin; Hawdala
Schlagwort Objektart:
Teller

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