Manuskript, Typoskript: Kassiber von Siegbert Rotholz (1919-1943) (Abschrift)Bild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2008/191/22/001-003
Sammlungsbereich:
Archiv
Gattung:
Manuskript, Typoskript

Kassiber von Siegbert Rotholz (1919-1943) (Abschrift)

Papier, Bleistift

Berlin Abschrift (ca. 1960er Jahre) des Originals von ca. 1942 bis 1943

Höhe:
12.6 cm
Breite:
11 cm

Drei Kalenderblätter (Samstag, 15.-Mo, 17. Juli) eines Kalenders der Marke "rido". Die ersten beiden beidseitig mit Bleistift beschrieben, es handelt sich hier um die Abschrift des Kassibers 2008/181/20.
Während seiner Untersuchungshaft gelang es Siegbert Rotholz diesen Kassiber aus der Haft zu schmuggeln. Der Brief war an die Schwester Irma gerichtet, die ihn offensichtlich noch besuchen konnte und mit einigen Dingen versorgte.
Kurz nach dem Anschlag auf die Propaganda-Ausstellung "Das Sowjetparadies" wurde Siegbert Rotholz am 15. Juli verhaftet. Während seiner letzten Zeit auf freiem Fuß gelangten seine persönlichen Dokumente in den Besitz von Kurt Siering (Kommunist und ebenfall einer der Leiter der Untergruppe Südost des KVJ), der Siegbert Rotholz seit 1941 kannte. Siering sammelte und bewahrte die letzten verbliebenen Dokumente von Siegbert Rotholz und übergab sie nach 1945 an die Stifterin.
Transkription: Meine Lieben, ich hoffe, dass Ihr diesen Brief bei bester Gesundheit erhaltet. Als erstes will ich Joseph zu seinem Geburtstag gratulieren und wünsche, dass wir im nächsten Jahr wieder zusammen sind. Ich wundere mich sehr, dass ich auf meinen Brief immer noch keine Antwort habe. Seid Ihr denn alle mit mir böse? Ich denke jeden Tag an Euch alle. Was mich am meisten beunruhigt ist, ob denn der Chauffeur das Geld übergeben hat. Im Ganzen gab ich ihm 2,50 RM für Pegga (?) und 3,00 RM, die ich meinem Bekannten schuldig bin, also zusammen 5,50 RM. Ich will doch nicht hier sitzen und Schulden haben.
So und jetzt kommt das zweite Kapitel: und das richtet sich in der Hauptsache an dich liebe Irma. Da du, wie ich schon feststellen konnte, meine Wäschelieferantin bist, ich danke dir für alles was du mir bisher gebracht hast, aber sei mir nicht böse ,wenn ich dir sage, streng doch mal deinen Geist etwas an, hast du nicht schon mal daran gedacht, dass man in einer Vasenolpuderbüchse 50 Zigaretten bringen kann? Aber das macht doch jeder. Bei mir im Schrank dürfte man welche gefunden haben. Was meinst du, wir gut auch Leberwurst aus einer Büchse schmeckt. Ihr seid doch sonst nicht so dumm. Die vorige Wäsche ist z.B. gar nicht durchgesehen worden, sonst wäre der Gürtel nicht angekommen. Für Lotte ist eventuell Butter angebracht. Also nicht böse sein, alles besorgen: Zigarettenpapier, Rasierklingen, Nähgarn, Schreibpapier, Bleistift. Nun seit für heute recht herzlich gegrüßt und geküsst von eurem Siggi

Dargestellt/erwähnt:
Siegbert Rotholz (14.9.1919 - 4.3.1943), Widerstandsgruppe Herbert Baum
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Notiz; Familienbeziehung; Brief; Berlin
Schlagwort Kontext:
Widerstand (Politik); Freiheitsstrafe
Schlagwort Objektart:
Kassiber; Kalender (Objekt); Abschrift

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