dreidim. Gegenstand des weltlichen Gebrauchs: Teller eines ObstservicesBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2011/244/7
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des weltlichen Gebrauchs

Margarete Heymann-Loebenstein (später Marks) (1899 - 1990), Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik

Teller eines Obstservices

Marwitz bei Berlin laut Fabrikmarke 1923 bis 1932

Höhe:
1.9 cm
Durchmesser:
19 cm
Signatur:
Auf der Unterseite, in blau: Pinselmarke der Haël-Werkstätten, "9" und "102"

Der runde, flache Teller hat eine leicht erhöhte Fahne. Der Grundton des Tellers ist cremefarben. Der Fond ist mit einem mehrfarbigen Blumenmotiv bemalt. Dargestellt ist eine stilisierte Blume, die aus einem dunkelgrünen Stiel mit zwei seitlich davon abgehenden, borstigen Blättern sowie drei blauen Blüten besteht. Die blauen Blüten werden von feinen gelben Strichen, die zackig angeordnet und mit gelb-grünen Strichpunkten bekrönt sind, eingerahmt. Diese Einrahmung erinnert an die haarigen Flugschirme der "Pusteblume". Der äussere Rand des Tellers ist durch eine umlaufend blauen Linie abgesetzt.
Dieser Teller ist Teil eines Obstservices, das in den 1920er Jahren in den "Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik" hergestellt wurde. Das siebenteilige Service aus der Sammlung des Jüdischen Museums besteht aus einer großen Obstschale und sechs kleineren Tellern, die jeweils mit unterschiedlichen, abstrakten Blumen- und Fruchtmotiven bemalt sind.
Die "Haël-Werkstätten" wurden 1923 von der Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein gemeinsam mit ihrem Ehemann Gustav Loebenstein und dessen Bruder in einer alten Ofenfabrik bei Berlin gegründet. Der Name Haël setzte sich aus "H" für Heymann, dem Mädchennamen der Keramikerin, und "L" für Loebenstein zusammen. Margarete Heymann- Loebenstein oblag die künstlerische Leitung des Betriebs. Nachdem ihr Ehemann und dessen Bruder bei einem Autounfall ums Leben kamen, übernahm sie die gesamte Leitung des Betriebs. Moderne Formen, abstrakte Dekors und ungewöhnliche Glasuren waren das Markenzeichen der "Haël-Werkstätten".
Nach 1933 musste Margarete Heymann-Loebenstein, die doppelt als Jüdin und moderne Künstlerin von den Nationalsozialisten diffamiert wurde, die Produktion ihres Betriebs einstellen. Im Jahr 1934 wurden die Haël-Werkstätten arisiert, zwei Jahre darauf gelang der Keramikerin die Emigration nach England. In England setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort, konnte jedoch nicht an ihre großen Erfolge in Deutschland anknüpfen. Nachdem die verwitwete Künstlerin 1938 erneut heiratete, nahm sie den Nachnamen "Marks" an. Sie starb im Jahr 1990 in London.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Katalog Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik GmbH, Marwitz b. Velten 1924, S. 9, Nr. Dec.102 (Abb.). Theis, Heinz-Joachim/Weber, Klaus: Markenverzeichnis, in: Bauhaus Archiv (Hg.): Keramik und Bauhaus, Ausst.Kat., Berlin 1989, S. 269-278. Ofen- und Keramikmuseum Velten (Hg.): Haël - Keramik - wenig bekannt, bei Sammlern hoch geschätzt. Haël Werkstätten für künstlerische Keramik Marwitz, Ausstkat., Velten 2006, Abb. auf Umschlag.
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Blume; Marwitz
Schlagwort Kontext:
JMB-Thema: Jüdische Künstler und Firmen im Bereich der Angewandten Kunst; Kunstgewerbe; Keramikindustrie; berufstätige Frau; Avantgarde
Schlagwort Objektart:
Teller; Keramik

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