dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs: Ein Paar Schabbat-LeuchterBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2012/60/0/1,2
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs

Peter Bruckmann & Söhne

Ein Paar Schabbat-Leuchter

Heilbronn Inschrift 1957; Leuchter ca. 1850 bis 1910

Höhe:
28 cm
Durchmesser:
11.8 cm

D= Fuß H mit Traufschale

Signatur:
Auf beiden Leuchtern, Innenseite des Fußes: Modellnr."No. 221"; Halbmond, Reichskrone, 800; MZ: Adler (Rosenberg, Nr. 2545, 2546 o. 2549); "K" im Kreis, "9", "Gg" [?]; SCHNAUFFER" (Weitere Nummer unter der Lötstelle, unleserlich)
Inschrift:
Umlaufende Gravur auf der Oberseite des Fußes: " Herrn Adolf Schoyer / in Annerkennung seiner ausserordentlichen Verdienste anlässlich des 85. Geburtstages/ überreicht vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin, den 28. August 1957"

Beide Leuchter stehen auf einem runden, zweifach getreppten Fuß. Die obere Seite des Fußes ist umlaufend mit einem circa 1,5 cm breiten Band aus stilisiertem Blattwerk verziert. Darüber befindet sich eine glatte Fläche, die mit einer Inschrift versehen ist (s. Inschrift). Die Fläche verjüngt sich nach oben und mündet in einen Nodus, von dem aus der Schaft ausgeht. Der Nodus ist umlaufend mit Akanthusblättern verziert. Nach einer Einschnürung folgt ein circa 4 cm hohes Stück des Schafts, das ebenfalls mit gestreckten Akanthusblättern verziert ist. Die Akanthusblätter sind an der Oberseite mit einer umlaufenden Perlschnur versehen. Oberhalb der Perlschnur ist der Schaft glattwandig und nimmt leicht an Umfang zu, bis er durch eine weitere umlaufende Perlschnur begrenzt wird. Auf den glattwandigen Schaft folgt im oberen Drittel des Leuchters eine angedeutete, nach aussen gestellte Tropfschale, die umlaufend mit Eierstabdekor verziert ist und eine circa 8 cm hohe, nach außen gewölbte Tülle trägt. Die Tülle ist umlaufend mit langblättrigen Palmetten dekoriert und mündet in einem nach aussen gestellten, oberen Rand. Ein runder, herausnehmbarer Kerzeneinsatz mit geriffeltem Rand ist in den Leuchter eingesetzt.
Am Rand des Fußes der Leuchter befinden sich eine halbrunde Aussparung und Lötspuren, die vermutlich für eine beabsichtigte oder vormals vorhandene Elektrifizierung gedacht war.
Die Leuchter wurden von der bekannten Silberwarenfabrik P. Bruckmann & Söhne aus Heilbronn gefertigt und wohl von der Firma Schauffer vertrieben.
Der in der Widmungsinschrift genannte Adolf Schoyer war ein Berliner Großindustrieller im Metallsektor. Als Erster Vorsitzender des "Vereins Deutscher Metallhändler", stellvertretender Vorsitzender des "Berliner Börsenvorstands" sowie Ausschussmitglied des "Reichsverbandes des deutschen Groß- und Überseehandels" hatte Schoyer bis 1933 wichtige Positionen der deutschen Metallgroßindustrie inne. Daneben engagierte er sich in der Berliner Gemeinde und fungierte dort von 1931 bis 1938 als konservatives Vorstandsmitglied. Er war zudem Ratsmitglied des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. 1938 emigrierte er nach London, von wo aus er 1941 die Hilfsorganisation "Association of Jewish Refugees" gründete, dessen ersten Vorsitz er übernahm. 1946 kehrte er zurück nach Berlin und half der Jüdischen Gemeinde mit seinen Kenntnissen beim Wiederaufbau. Zudem war er als Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft der Vertretungen der politisch, rassistisch und religiös Verfolgten Berlins" tätig. Das Engagement Schoyers für die Jüdische Gemeinde Berlins, sowohl vor als auch nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde vom Gemeindevorstand 1957 durch die Schenkung der zwei Leuchter gewürdigt.
In der Fotosammlung des Jüdischen Museums befindet sich eine Fotografie, die Adolf Schoyer 1935 im Kreise von Mitgliedern des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden zeigt (Inv.-Nr.: FOT 88/500/160/001).

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Zu Adolf Schoyer: Walk, Joseph (Hg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1945, Jerusalem 1988. Birnbaum, Max P.: Staat und Synagoge. 1918-1938. Geschichte des preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden (=Schriftenreihe des Leo-Baeck-Instituts, 38), Tübingen 1981, S. 215, Anm 237. Zur Herstellerfirma: Sänger, Reinhard/Hennze, Joachim/Jacht, Heldrun: Silber aus Heilbronn für die Welt. P. Bruckmann & Söhne (1905-1973), Heilbronn 2001, insb. S. 147.
Dargestellt/erwähnt:
Adolf Schoyer (geb. 1872)
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Silberschmiedekunst; jüdische Gemeinde; Heilbronn; Gemeindevorsteher (Judentum); Geburtstag; Berlin
Schlagwort Kontext:
Einstieg Objektsuche: Neu in der Dauerausstellung; Dauerausstellung JMB: 6.3 Tradition und Wandel - Schabbat; Nachkriegsgemeinde; Gemeindeleben; Gedenken
Schlagwort Objektart:
Schabbat-Leuchter

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