Urkunde: Ausweis der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise für Jakob Reiss (1908-1985)Bild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
2005/12/34
Sammlungsbereich:
Archiv
Gattung:
Urkunde

Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise

Ausweis der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise für Jakob Reiss (1908-1985)

Karton, Tinte, Stempelfarbe

Berlin 6.1933

Höhe:
10.4 cm
Breite:
7.6 cm

Karte aus braunem Karton, Vordruck, mit handschriftlichen Ergänzungen.
Für Jakob Reiss war es ein Segen, als sein ehemaliger Kollege Fritz Goldschmidt ihm eine Stelle als Büroleiter seiner Rechtsanwaltskanzlei anbot. Kurz zuvor hatte er nämlich seine langjährige Arbeit als Bürovorsteher in der Rechtsabteilung einer Firma Jacob Michaels verloren, weil der Inhaber in die Niederlande emigriert war. Im Januar 1933 trat Reiss die neue Stelle an, doch seine Beschäftigung währte nur kurz - schon am 30. April verlor er sie wieder, da nun auch Goldschmidt Deutschland den Rücken kehrte und in Richtung Palästina verließ.
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland war nach wie vor sehr hoch und Juden konnten kaum darauf zählen, durch staatliche Vermittlung Arbeit zu finden. Für diese Arbeitssuchenden traten im ganzen Land jüdische Stellenvermittlungen ein, die in der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise zusammengeschlossen und staatlich genehmigt waren. Jakob Reiss wandte sich schon im März an die Berliner Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Arbeitsnachweise in der Hoffnung, bald wieder eine angemessene Arbeit antreten zu können. Denn für den aus einer orthodoxen polnischen Familie stammenden Jakob Reiss war es mit Sicherheit sehr wichtig, eine sabbatfreie Stelle zu finden. Genau solche Anliegen wurden von jüdischen Arbeitsvermittlungen berücksichtig. Dennoch konnten auch die Arbeitsnachweise keine Wunder vollbringen. Wegen der sprunghaft steigenden Zahl jüdischer Arbeitsloser wandte sich die "Vereinigte Zentrale" im Laufe des Jahres öffentlich an alle jüdischen Arbeitgeber "ZITAT". In Berlin blieben die Ergebnisse des Aufrufes eher bescheiden - auf das Jahr gerechnet kamen auf eine erfolgreiche Stellenvermittlung etwa 15 Neuanmeldungen.
Auch Jakob Reiss hatte kein Glück. Zwar bezog er noch Arbeitslosenunterstützung, doch seine Bemühungen um eine längerfristige Beschäftigung blieben ohne Erfolg. Zudem wurde er im September 1933 aus dem Deutschen Handlungsgehilfen-Verband ausgeschlossen (Nachprüfen). Mit Hilfe der Jüdischen Gemeinde absolvierte er Anfang 1934 einen Erwerbslosen-Umschichtungskurs. Ein zweiter Kursus wurden nicht mehr bewilligt. Für die Familie zeichnete es sich immer stärker ab, daß es in Deutschland keine Zukunft mehr gab. Im Juli 1935 wanderte Jakob Reiss gemeinsam mit seinen Eltern und der jüngsten Schwester Rivka über Triest nach Palästina aus. Seine vier anderen Geschwister waren bereits vorausgegangen.
Die jüdischen Arbeitsnachweise bemühten sich weiterhin, trotz sich verschärfender Gesetzeslage, der schwierigen ökonomischen Situation jüdischer Arbeitssuchender Herr zu werden. Seit 1935 waren sie unter dem Dach der Abteilung Wirtschaftshilfe bei der Reichsvertretung angebunden, die das Netz der Arbeitsnachweise umfassend erweitern wollte. Doch die den zuständigen Reichsstellen vorgelegten Pläne wurden nicht bewilligt. Im Gegenteil - es wurde verfügt, dass bis zum 1. Januar 1937 alle bestehenden Vermittlungsstellen zu schließen seien. Damit war das Schicksal der seit vierzig Jahren bestehenden Selbsthilfeorganisation besiegelt.
Nur die Berliner Stelle durfte unter Sonderauflagen Stellenausschreibungen im Ausland veröffentlichen.

Siehe auch:
http://www.jmberlin.de/1933/de/03_14_mitgliedskarte-der-arbeitsgemeinschaft-der-judischen-arbeitsnachweise-fur-jakob-reiss.php, http://www.jmberlin.de/1933/de/03_14_mitgliedskarte-der-arbeitsgemeinschaft-der-judischen-arbeitsnachweise-fur-jakob-reiss.php
Dargestellt/erwähnt:
Jakob Reiss (geb. 16.4.1908)
Schlagwort Inhalt/Geographie:
jüdische Selbsthilfe; Selbsthilfeorganisation; Berlin-Kreuzberg (Ortsteil); jüdische Organisation; Arbeitslosigkeit; Arbeitsloser
Schlagwort Kontext:
Kaufmann; Berufsleben
Schlagwort Objektart:
Nachweisdokument

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