dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs: Besamim-BüchseBild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
KGM 81/34/0
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
dreidim. Gegenstand des religiösen Gebrauchs

Besamim-Büchse

Messing; versilbert, gegossen, gedreht, geschnitten, montiert

Deutschland Laut Inschrift 1912

Höhe:
26 cm
Breite:
8.1 cm
Tiefe:
8.1 cm
Inschrift:
Auf dem Fuß eingraviert: "Gestiftet von Moritz Loewenstein, Netra 1912"

Die Besamim-Büchse ruht auf einem runden, einfach getreppten Fuß. Auf einen kurzen Schaft mit Nodus folgt der zylinderförmige Korpus der Büchse, dessen Wandung umlaufend mit geometrisch geformten Durchbruchöffnungen (Dreieck, Oval, Raute) versehen ist. Auf den Büchsenkorpus ist ein spitzkegelig geformtes, abnehmbares Oberteil aufgesetzt. Der Aufsatz ist in der Mitte umlaufend perforiert. Die Spitze des Aufsatzes ist mit einem Fähnchen bekrönt.
Auf dem Fuß befindet sich eine eingravierte Inschrift die besagt, dass diese Besamim-Büchse im Jahr 1912 von Moritz Loewenstein in Netra gestiftet wurde. Die Jüdische Gemeinde der Stadt Netra (Werra-Meißner-Kreis, Hessen) bestand seit dem 17. Jahrhundert. Im Jahr 1905 lebten dort 65 jüdische Einwohner. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich in dem Ort eine Synagoge im Hinterhof der Brauhausstraße 19. In diesem Haus lebte auch der Stifter der Besamim-Büchse, Moritz (Moshe) Loewenstein (13.12.1878-23.10.1917) mit seiner Ehefrau Henriette (Jettchen) Loewenstein (14.07.1882-28.06.1978) und ihren drei Kindern Lothar, Retha und Trude. Die Familie war der jüdischen Gemeinde vermutlich sehr verbunden, denn der Vater von Moritz Loewenstein, Levy Loewenstein, ist als Gemeindeältester verzeichnet. Moritz Loewenstein war als Kaufmann tätig. Er meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und fiel im Jahr 1917 in der Nähe von Verdun. Die Familie Loewenstein ließ seinen Leichnam in die Heimatstadt Netra überführen und ihn dort auf dem jüdischen Friedhof begraben. Seine Witwe und ihre Kinder lebten bis zu ihrer Flucht nach Palästina im Jahre 1935 beziehungsweise 1937 in Netra.
Diese Besamim-Büchse war Teil der Sammlung Zwi Sofer, die 1981 für die Jüdische Abteilung des Berlin Museums erworben wurde und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet. Da die Provenienz des Objekts zwischen 1933 und 1945 Lücken aufweist, ist das Jüdische Museum Berlin bemüht diese durch gezielte Recherchen aufzuklären.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Landesmuseum Münster/Sofer, Zvi (Hg.): Jüdisches Jahr, Jüdischer Brauch, Ausst.Kat., Münster 1972, Kat. 142, S. 69. Sofer, Zvi (Hg.): Jüdischer Alltag, Jüdischer Festtag, Ausst.Kat. Lübeck/Duisburg/Hannover 1975, Nr. 142, S. 65. Die Sammlung Zvi Sofer, Ausst.Kat., Hameln 1980, Nr. 185, S. 66. Berlin Museum (Hg.): Judaica, Berlin 1989, S. 332, Abb. 255. Berlin-Museum (Hg.): Katalog der Neuerwerbungen. Sammlung Sofer. Jüdisches Kultgerät , Berlin 1982, S. 66 (Nr. 185) (dort als KGM 81/84/0). Bothe, Rolf (Hg.): Synagogen in Berlin, Teil 1, Berlin 1983, S. 219, Abb. 48.
Dargestellt/erwähnt:
Moritz Loewenstein (13.12.1878 - 23.10.1917)
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Netra; Hessen; Deutschland
Schlagwort Kontext:
Geschenk; Gemeindeleben
Schlagwort Objektart:
Besamim-Büchse

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