Memorabilia (dreidimensional): Pokal Bild vergrößern
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Inv.-Nr.:
KGM 89/1/0/1,2
Sammlungsbereich:
Judaica/Angewandte Kunst
Gattung:
Memorabilia (dreidimensional)

Pokal

Silber, getrieben, graviert, ziseliert, Innenvergoldung

verm. Berlin lt. hebr. Inschrift 1890 bis 1894

Höhe:
29.7 cm
Durchmesser:
10.2 cm

Höhe mit Deckel; ohne Deckel 20,5 cm. Dm Fuß 9,2 cm; DM Lippenrand 9,8 cm; Dm Deckelrand 10,2 cm.

Signatur:
am Fußrand: 800/ zwei weitere Marken verschlagen
Inschrift:
Auf oberer Cuppa : "Seh ha-gabija/nadawu minchigei k[ilah]" k[aduscha] zabrizah/ le-isch ha-jakar/ Jizchak ben moher R[aw] Josef Menachem Wachsner 5. Marcheschwan schanat 654 l[e-]p[arot]k[atan]"

Der Deckelpokal hat einen fünffach getreppten, runden Fuß, der mit Rosendekor verziert ist. Davon geht ein balusterartiger, stark profilierter Schaft ab. Der Nodus ist ebenfalls mit schlichtem Rosendekor versehen. Auf dem Schaft ist die Cuppa angebracht, die einen ausgewölbten, reifförmigen unteren Teil hat, der ebenfalls mit Rosendekor verziert ist. Der ausladende Reif der Cuppa ist durch eine horizontale Linie vom oberen Teil der Cuppa abgesetzt. Der obere Teil der Cuppa verjüngt sich zur Mitte hin, hat aber wiederum einen ausgezogenen Lippenrand und dadurch insgesamt eine konkave Form. Von einem üppigen Lorbeerkranz umrahmt, befindet sich auf der Cuppa eine hebräische Inschrift . Übersetzt lautet die Inschrift: "Dieser Becher wurde gestiftet von den Vorstehern der hl. Gemeinde Zabrze dem lieben Mann Jizchak, Sohn unseres Lehrers, des Raw Josef Menachem Wachsner 5. Marcheschwan im Jahre 654 kleine Zählung (= 1894)."
Der Deckel des Pokals ist vierfach getreppt und mit einem spitz zulaufenden Knauf bekrönt, dessen unterer Teil mit einem Band schräg verlaufender Riefen verziert ist. Der untere Teil des Deckels ist ebenfalls mit dem Rosendekor, das auch den Pokalkorpus ziert, versehen.
Der in der Inschrift genannte Jizchak Wachsner entstammte einer sehr angesehenen Familie der jüdischen Gemeinde in Zabrze (von 1915 bis 1845 hieß der Ort Hindenburg). Der Pokal wurde ihm von den Gemeindevorstehern wohl aus Dankbarkeit für sein Engagement für die jüdische Gemeinde geschenkt.
Der Deckelpokal war auch im frühen 20. Jahrhundert in Familienbesitz. Die Nachkommen von Jizchak Wachsner siedelten in die Reichshauptstadt Berlin über. Dr. Fritz Wachsner (geb. 3.7.1886), möglicherweise der Sohn von Jizchak Wachsner, war dort als Studienrat tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Paula Wachsner lebte er in der Schaperstrasse 30 in Berlin-Charlottenburg. Nach 1933 wurde er aus dem Schuldienst entlassen. Im Juli 1942 übergab das Ehepaar Wachsner der befreundeten Agnes Wendland, Frau des Kirchenhistorikers und Pfarrers Lic. Walter Wendland, einige Gegenstände aus Familienbesitz. Das Ehepaar Wachsner sowie ihr Sohn Ernst Wachsner und dessen Frau wurden 1942 beziehungsweise 1943 deportiert und ermordet. Nur der Tochter Charlotte gelang die Flucht über die Niederlande in die USA. Der Deckelpokal wurde von Angelika Rutenborn, geb. Wendland, aufbewahrt und 1989 der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums übergeben.

Literatur- und Abbildungsnachweis:
Berlin Museum (Hg.): Judaica, S. 374, Nr. 286. Zur jüdischen Gemeinde Zabrze: Alicke, Klaus-Dieter: Hindenburg, in: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, Bd. 2, Gütersloh 2008, S.1888.
Dargestellt/erwähnt:
Isaak (Jizchak) Wachsner (1827 - 30.10.1900), Wachsner Familie
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Lorbeer; Rose; Zabrze; Ornament; jüdische Gemeinde; hebräische Schrift; Gedenken; Berlin
Schlagwort Kontext:
Dauerausstellung JMB: 5.1 Moses Mendelssohn und die Aufklärung - Juden in Deutschland; Geschenk; Freundschaft; Deportation; jüdisch-christliche Beziehung
Schlagwort Objektart:
Pokal

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