Druckgrafik: Taschlich. Aus der Zeitschrift "Über Land und Meer"Bild vergrößernDieses Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung verwendet werden.
Inv.-Nr.:
GDR 91/509/15
Sammlungsbereich:
Kunst
Gattung:
Druckgrafik

Gustav Schauer (24.6.1826 - 8.1.1902), K. Hempel, Wilhelm August Stryowski (1834 - 1917)

Taschlich. Aus der Zeitschrift "Über Land und Meer"

Holzstich

1878

Höhe:
26.6 cm
Breite:
35.5 cm
Signatur:
u.l. in Abb. (im Holzstock): K. Hempel
Inschrift:
u.M. unter Abb. (im Druck): Taschlich. Gemälde von W. Stryowski. Nach einer Photographie von Gustav Schauer in Berlin. (S. 914.); r. Rand (im Druck): No. 44 Ueber Land und Meer Allgemeine Illustrirte Zeitung (Bleistift) 1878 913

Holzstich auf Maschinenpapier von K. Hempel (?) nach einem Gemälde von Wilhelm August Stryowski (1834-1917) nach einem Foto von Gustav Schauer (1826-1902): Taschlich. Es handelt sich um die S. 913 der Zeitschrift "Über Land und Meer, Nr. 44, 1878.
Ein Gruppe von Männern in langen Mänteln und Pelzmützen, angeführt von einem weiß gekleideten Rabbiner, steht unterhalb einer Brücke an einem Gewässer. Im Hintergrund sind Fachwerkgebäude zu erkennen.
Auf der hier nicht vorliegenden Folgeseite befindet sich eine Erläuterung, die das Geschehen nach Podolien verlegt; die Gemäldevorlage von Stryowski zeigt eine Szene am Radaunekanal bei der Großen Mühle in Danzig.
"Taschlich.
(Hiezu da Bild S. 913)
Es war an der Grenze Podoliens, nicht weit von Kaminiec. (...) Es war also nichts Anderes zu thun, als die Zeit mit einer Wanderung durch die staubigen Straßen des kleinen Judenstädtchens zu tödten (...) es war schon acht Uhr (...). Plötzlich hörte ich bei einer Wendung, welche das Flüßchen am Stationshause machte, ein sonderbares, näselndes Stimmengeräusch, das von Zeit zu Zeit von einem melodiösen, gutturalen Gesange unterbrochen wurde. Vergeblich sah ich mich um, denn ich erblickte nirgends Leute, nur zwei in lange weiße Mäntel gehüllte Jüdinnen standen an einem Gitterthore, das, neben einer Mühle gelegen, zum Mühlgraben hinabzuführen schien, und blickten andächtig hinunter. (...) Am Graben standen ein paar Dutzend Männer in der, den ponischen Juden eigenthümlichen Tracht, doch heute rein, ja sonntäglich gekleidet, auf dem Kopfe trugen sie, trotz der Wärme der letzten Tage des Somers, über der Kappe schöne, ja kostbare Pelzmützen. Ihnen voran stand der Rabbiner, dessen langer weißer Bart sich wellig auf den weißen Talar legte, er hielt ein Gebetbuch, das er bald öffnete, dann wieder schloß, die Uebrigen beteten rings um ihn. Sie übten nämlich den seit etwa dreihundert Jahren bestehenden Brauch, an einem fließenden Wasser in hebräischer Sprache die letzten drei Verse des Propheten Micha zu beten und die Gebetsformel: "Alle Sünden deines Volkes Israel wirf an einen Ort, daß sie verschwinden und ihrer nicht gedacht wird und sie Neimand mehr in's Herz und in Gedanken kommen" Nach dem in diesem Gebet vorkommenden Wort Taschlich ist der Brauch benannt. - Bedingung ist, daß das Wasser rein und fließend sein muß, damit es die Sünden forttrage und sie nicht zum Verderben des Sünders am Ort bleiben. Paul Fuchs."

Beschriftung Rückseite:
Artikel "Taschlich" aus der Zeitschrift: Über Land und Meer, Allgemeine Illustrierte Zeitung Nr. 44 (1878).
Schlagwort Inhalt/Geographie:
Hut; Jude (Darstellungstradition); Brücke (Bauwerk); Baum; Tracht; Taschlich; Mann; Kopfbedeckung; Illustration; Gruppe (Personen); Beten (Tätigkeit); Gebäude; Gdańsk
Schlagwort Objektart:
Zeitschrift; Holzstich

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