Grundsteinlegung für die neue Synagoge Aus der Serie/Mappe: Deutsche Juden heute
Leonard Freed geb. Brooklyn, NY 23.10.1929 gest. Garrison, NY 30.11.2006
2006/198/13
Fotografie auf Silbergelatine-Barytpapier, verso: Filzstift, Bleistift, Stempel
Mainz 18. Juni 1962
34,3 x 23,4 cm
hs. u. l. auf Rücks. (Bleistift)
Rückeite Fotografie: mittig: Atelierstempel 011-2-77-44 / M170-44 (Bleistift) o. l.: P-1 (Filzstift, schwarz) u. l.: Leonard Freed (Bleistift) / 1962 Germany (Bleistift) / Vintage Print / (c) Leonard Freed-Magnum (Stempel) Atelieraufkleber: © Leonard Freed-Magnum W Germany 1962 / Laying the foundation stone / for the new synagogue in Mainz. / photo from the book: Deutsche / Juden heute (german Jews today) / 011-2-77-44 (Maschinenschrift)
Keine Beschriftung auf Trägerkarton
Freed, Leonard: Deutsche Juden heute, München: Rütten & Loening Verlag 1965, S. 14.
Artikel von Anton Maria Keim in der "Allgemeinen Zeitung" (Main-Rheiner) vom 22. November 2008 (Artikel):
"Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist. Der frühere Kulturdezernent Anton Maria Keim ruft den langen Weg zur neuen Mainzer Synagoge in Erinnerung.
Schon 1962 wurde einmal ein Grundstein für eine neue Mainzer Synagoge gelegt. Daran erinnert der frühere Kulturdezernent Dr. Anton Maria Keim im zweiten, noch unveröffentlichten Teil seiner Erinnerungen über seine "Mainzer Jahre", aus dem dieser Auszug stammt. Der Juni 1962 war der Höhepunkt der Mainzer Zweitausendjahrfeier. Eine "Jüdische Woche", von der Stadt und der kleinen jüdischen Gemeinde vorbereitet, sollte am Anfang stehen. Etwa hundert Einladungsbriefe waren in viele Länder gegangen. Es gab nur wenige Antworten. Ein knappes Dutzend jüdischer Mainzer wollten kommen: aus Israel, Südamerika und den Vereinigten Staaten. Im Spiegelsaal des Kurfürstlichen Schlosses gab Oberbürgermeister Franz Stein einen Empfang. Ich erinnere mich an bewegende Gespräche mit den Gästen, den emigrierten, den durch Glücksfälle geretteten. Das eigentliche Zeichen dieser Woche sollte die Grundsteinlegung für eine neue Synagoge sein. Er wurde am Montag, dem 18. Juni 1962 an der Forsterstraße gelegt. Die Mainzer nahmen regen Anteil. Optimismus beherrschte die kleine jüdische Gemeinde, die im September 1947 in der Feldbergschule eine Synagoge eingeweiht hatte - im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Emil Kraus, hohen französischen Offizieren und Vertretern der Kirchen. Als "Bekundung des jüdischen Lebenswillens" beurteilte ein internationaler jüdischer Repräsentant diesen Festakt. Und in großer Aufmachung berichtete der "Neue Mainzer Anzeiger". Noch waren Terror und Deportation in frischer Erinnerung. Und neben den unter aller Augen durchgeführten drei großen Todeszügen hatten viele Mainzer das Bild vor Augen als am 10. Juli 1945 - gerade löste die französische Militärregierung die amerikanische ab - der Bus meines Ebersheimer Onkels Nikolaus Nauth mit der Aufschrift "Goldenes Mainz", der in Friedenszeiten Wallfahrer nach Marienthal und Walldürn transportierte, 24 überlebende rheinhessische Juden aus Theresienstadt in das zerbombte Mainz zurückbrachte. Er hatte Schreckliches in der Ghettostadt der Nazis gesehen. Nur wenige wollten in der alten "Heimat" bleiben. Auf Antrag des Kulturdezernenten Michael Oppenheim, selbst ein überlebender Jude, hatte der französische Stadtkommandant am 9. November umgehend die Genehmigung zur Gründung einer jüdischen Gemeinde gegeben. Am 17. November 1945 konstituierte sich im Pulverturm, dem damaligen Sitz der Stadtverwaltung, eine jüdische Gemeinde. Die Grundsteinlegung für eine neue Synagoge im Juni des Jubiläumsjahres 1962 sollte, so Landesrabbiner Dr. Roth, "ein neues Fundament für den Geist der Liebe und der Toleranz" bekunden. Ich durfte damals für den Südwestfunk und die heutige Allgemeine Zeitung ausführlich berichten: "Die Urkunde aus Hirschfellpergament, mit Gallapfeltinte in deutsch und hebräisch geschrieben, ist ein Dokument der jüngsten deutschen Geschichte." Aus dem Text der Urkunde: "Nachdem in der Zeit von 1933 bis 1945 sechs Millionen Juden umgebracht worden sind, sind einige wenige krank und gebrochen aus den Konzentrationslagern nach Mainz zurückgekehrt, um sich langsam wieder zu einer Gemeinde zusammenzufinden." Nach vorübergehender Unterkunft in der Turnhalle der Feldbergschule war das Gemeindehaus an der Forsterstraße mit einem Betsaal errichtet worden, das inzwischen jedoch zu klein geworden ist. Die Grüße des Ministerpräsidenten überbrachte Justizminister Westenberger: Der Grundstein sei ein Samenkorn für einen neuen Baum in der Mainzer Erde. "Möge niemals mehr Hass, Stumpfsinn und Unnatur über uns hereinbrechen," rief Oberbürgermeister Stein unter großem Beifall aus. Am Rande betonten allerdings fast alle Festredner, die Finanzierung der neuen Synagoge sei noch nicht gesichert. Der Optimismus der Grundsteinlegung schwand sehr bald. Die Gemeinde blieb klein, sie hatte nur wenig über hundert Angehörige. Auch Mainzer Juden "saßen auf gepackten Koffern".
(https://www.alemannia-judaica.de/mainz_synagoge_neu.htm#Auf%20dem%20Weg%20zur%20neuen%20Synagoge%20-%20Presseberichte%20vom%20Dezember%202007%20bis%20zur%20Einweihung%20am%203.%20September%202010)
Schwarzweiß-Fotografie, Fotopapier: Agfa.
Inmitten von Mauerresten passt ein Herr einen Ziegelstein in eine Mauer, links vor ihm die israelische Fahne und ein Mikrofon, im Hintergrund Zuschauer in einer Reihe stehend
Text aus der Publikation ,Deutsche Juden heute', S. 14: "Der Grundstein für die neue Mainzer Synagoge wird gelegt. Sie soll jetzt neben dem Gemeindehaus stehen. Die alte, die in der Kristallnacht zerstört wurde, war an anderer Stelle."
Der Ausschnitt des Motivs in der Publikation variiert leicht.
Die Grundsteinlegung (Forsterstraße, 18.6.1962) fand im Zuge der Zweitausendjahrfeier der Stadt Mainz statt, die mit einer "Jüdischen Woche" eröffnet wurde. Die Finanzierung des Baus war zu diesem Zeitpunkt aber nicht gesichert; nach einer erneuten Grundsteinlegung im Jahr 2008 wurde die neue Synagoge 2010 errichtet.
Inmitten von Mauerresten passt ein Herr einen Ziegelstein in eine Mauer, links vor ihm die israelische Fahne und ein Mikrofon, im Hintergrund Zuschauer in einer Reihe stehend
Text aus der Publikation ,Deutsche Juden heute', S. 14: "Der Grundstein für die neue Mainzer Synagoge wird gelegt. Sie soll jetzt neben dem Gemeindehaus stehen. Die alte, die in der Kristallnacht zerstört wurde, war an anderer Stelle."
Der Ausschnitt des Motivs in der Publikation variiert leicht.
Die Grundsteinlegung (Forsterstraße, 18.6.1962) fand im Zuge der Zweitausendjahrfeier der Stadt Mainz statt, die mit einer "Jüdischen Woche" eröffnet wurde. Die Finanzierung des Baus war zu diesem Zeitpunkt aber nicht gesichert; nach einer erneuten Grundsteinlegung im Jahr 2008 wurde die neue Synagoge 2010 errichtet.
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