Amulett für den Schutz einer Mutter und ihres neugeborenes Mädchens

2018_269_0
2018/269/0
Judaica/Angewandte Kunst
Druckgrafik
Holzschnitt, Buchdruck
Deutschland (vermut. Sulzbach) 1700 - 1799
15 × 19,2 cm
S. Inschrift
Shachar, Isaiah: Jewish Tradition in Art - The Feuchtwanger Collection of Judaica, (Israel Museum, 1981), Items 2-3.
Der Hauptzweck dieses gedruckten Amuletts bestand darin, eine Mutter und ihre neugeborene Tochter zu schützen und den Dämon Lilit abzuwehren.

Der breite Rand des Blatts ist mit Akanthusblättern und Ornamenten geschmückt, der Untergrund mit feinen Linien und der Text ist mittig auf der Seite platziert. In der Mitte des oberen Randes befindet sich eine Kartusche, die ein häusliches Interieur mit einem gedeckten Tisch und einer Frau zeigt, die eine Hängelampe ("Judenstern") anzündet.
Am rechten und linken Rand befinden sich die Figuren von Adam (rechts) und Chawa (links), die jeweils auf einem Balkon mit Baldachin stehen.

Unter der Kartusche steht der Titel "Li-nekewa" (für ein Mädchen), und zu beiden Seiten davon ist ein kleines Kronenmotiv aufgedruckt. Oben rechts steht der hebräische Text: "Adam we-Chawa / chuz Lilith / Chawa rischonah" (= Adam und Eva / unter Ausschluss von Lilith / die erste Eva). Oben links stehen die Namen der Schutzengel: "Senoj, Sansanoj, Semangelof / Schmariel Chasdiel".

Die lange Textpassage in der Mitte erzählt in erster Linie die Geschichte einer Begegnung zwischen dem Propheten Elias und Lilit mit ihren Gefährten. Auf die Frage, wohin sie gehe, erklärt Lilit, dass sie zum Haus einer Mutter gehe, die vor kurzem entbunden habe, um sie zu töten und ihren neugeborenen Sohn mitzunehmen. Elias droht ihr, sie in einen Stein zu verwandeln. Lilit bittet um Gnade und schwört, dass sie die Mutter und ihr neugeborenes Kind in Zukunft in Ruhe lassen wird, wenn sie ihren Namen hört. Dann zählt sie ihre verschiedenen alternativen Namen auft: "Dies sind meine Namen Lilit, Awiti, Abizu, Amzarfo, Hakasch, Odem, Ikfodu, Ijelu, Tatrota, Awanukta / Satruna, Kalikataza, Tilatui, Firatscha." (Zeilen 12-13). In Zeile 14 werden fünf verschiedene Varianten von Exodus 22:17 (Du sollst nicht zulassen, dass eine Zauberin am Leben bleibt) angegeben, und zwar wie folgt: "Zerreiße den Satan. Eine Hexe sollst du nicht leben lassen. Eine Hexe wirst du am Leben lassen - nicht..." (usw.) Am Fuß der zentralen Texte steht Psalm 121 ("Schir ha-Ma'alot") in hebräischer Sprache.

In der Mitte einer Kartusche am unteren Rand stehen drei hebräische Wörter: "Nidda" (rituelle Reinheit), "Challa" (Abgabe des Zehnten vom Challa-Brot) und "Hadlaka" [hier fälschlicherweise als "Dadlaka" gedruckt] (Lichter anzünden). Dies sind die drei wichtigen Mizwot, die traditionell in der Verantwortung einer jüdischen Frau liegen.

Der jüdische Volksglauben hielt Frauen vor allem während der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts sowie das Neugeborene für besonders schutzbedürftig. In deutschen Ländern des 18. Jahrhunderts war es üblich, ein Amulett während der Schwangerschaft oberhalb des Bettes zu befestigen. Die tatsächlichen Ursachen von Säuglings- und Müttersterblichkeit, wie Infektionen und fehlende Hygiene, waren noch unbekannt.

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