Simson und Dalila
GEM 86/22/0
Öl auf Leinwand
1894
Gemäldemaß: 38,5 x 55,4 x 2,4 cm
Rahmenmaße: 64,6 x 80,2 x 11,2 cm
64,6 x 80,2 x 12 cm, 12,25 kg
u.r.: M.Liebermann
mittig auf Keihlrahmen (Label ): Berlin Museum / Liebermann, Max / (1847-1935) / Inv.Nr. GEM 86/22
Bendt, Vera: Judaica-Katalog, Kat. Berlin-Museum / Abteilung Jüdisches Museum, Berlin: Jüdisches Museum 1989, S. 83.
Inka Bertz: (Katalogtext), in: Bartmann, Dominik, Hg.: Berliner Kunstfrühling. Malerei, Graphik und Plastik der Moderne, 1888 – 1918 aus dem Stadtmuseum Berlin, Berlin: Stadtmuseum Berlin, 1997, S. 86.
Achenbach, Sigrid; Eberle, Matthias; Pauseback, Michael (Hgg.): Max Liebermann in seiner Zeit, Kat. Nationalgalerie Berlin, München: Prestel 1979.
Eberle, Matthias (Hg.): Max Liebermann 1847-1935. Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, München: Hirmer 1996, Nr. 1894/17.
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Es handelt sich um die Skizze zu einem 1902 ausgeführten und später zweimal wiederholten Gemälde, das den Mittelpunkt der V. Secessionsausstellung bildete (heute Städelsches Kunstinstitut in Frankfurt). Dargestellt ist die Szene, wie Simson seiner Locken und damit seiner übernatürlichen Kräfte beraubt wird: "Und sie ließ ihn einschlafen in ihrem Schoß und rief einen, der ihm die sieben Locken seines Hauptes abschnitt", heißt es im 16. Kapitel des biblischen Buches der Richter.
Deutet man den hellen Spalt links oben als Licht, das durch den zurückgezogenen Vorhang dringt, - womit das Eintreten einer weiteren Person unmittelbar bevorzustehen scheint -, so folgt Liebermann in der Skizze recht genau dem Text.
Anders im ausgeführten Gemälde: Dort schneidet Dalila selbst ihrem Geliebten die Locken ab und hält sie den Philistern, die hinter dem Vorhang lauern, entgegen.
Mit dieser Abweichung verstärkt er Dalilas Anteil an dem Verrat und nähert sich einer Deutung der Figur, wie sie durch die Oper Camille Saint-Saens (1877) populär geworden war. Simson wurde hier vor allem als das Opfer der femme fatale Dalila gesehen.
Es waren allerdings weniger die erotischen Aspekte des Themas, die Liebermann zur Darstellung reizten. Vielmehr betont er, auch indem er das Geschehen in ein unbestimmtes Milieu verlegt, das Allgemein-Menschliche des Themas: Verrat aus Leidenschaft und aus Patriotismus, aus Blindheit und aus Berechnung, Simsons Konflikt zwischen göttlicher Sendung und sinnlicher Verstrickung.
Die Szene lebt von der dramatischen Spannung zwischen dem Triumph Dalilas und dem Scheitern Simsons, - wohl auch, betrachtet man das vollendete Gemälde, dem Erkennen seines Scheiterns.
Die im Oeuvre Liebermanns seltene Wahl eines biblischen Themas provozierte schon zu Lebzeiten des Künstlers die unterschiedlichsten Interpretationen. Nicht zuletzt die Identifikation des biblischen Helden mit dem jüdischen Maler in ihrer beider Kampf gegen die Philister, denen aus Gaza und dem "König der Moabiter Philister", Anton von Werner.
IB 1997, 7.2.2025
Deutet man den hellen Spalt links oben als Licht, das durch den zurückgezogenen Vorhang dringt, - womit das Eintreten einer weiteren Person unmittelbar bevorzustehen scheint -, so folgt Liebermann in der Skizze recht genau dem Text.
Anders im ausgeführten Gemälde: Dort schneidet Dalila selbst ihrem Geliebten die Locken ab und hält sie den Philistern, die hinter dem Vorhang lauern, entgegen.
Mit dieser Abweichung verstärkt er Dalilas Anteil an dem Verrat und nähert sich einer Deutung der Figur, wie sie durch die Oper Camille Saint-Saens (1877) populär geworden war. Simson wurde hier vor allem als das Opfer der femme fatale Dalila gesehen.
Es waren allerdings weniger die erotischen Aspekte des Themas, die Liebermann zur Darstellung reizten. Vielmehr betont er, auch indem er das Geschehen in ein unbestimmtes Milieu verlegt, das Allgemein-Menschliche des Themas: Verrat aus Leidenschaft und aus Patriotismus, aus Blindheit und aus Berechnung, Simsons Konflikt zwischen göttlicher Sendung und sinnlicher Verstrickung.
Die Szene lebt von der dramatischen Spannung zwischen dem Triumph Dalilas und dem Scheitern Simsons, - wohl auch, betrachtet man das vollendete Gemälde, dem Erkennen seines Scheiterns.
Die im Oeuvre Liebermanns seltene Wahl eines biblischen Themas provozierte schon zu Lebzeiten des Künstlers die unterschiedlichsten Interpretationen. Nicht zuletzt die Identifikation des biblischen Helden mit dem jüdischen Maler in ihrer beider Kampf gegen die Philister, denen aus Gaza und dem "König der Moabiter Philister", Anton von Werner.
IB 1997, 7.2.2025
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