GEM 97/2/0
Kunst
Gemälde
Öl auf Leinwand
1941-1944
165 x 97 x 7,2 cm, 26 kg Rahmenmaße: 165 x 97,2 x 6,3 cm Gemäldemaß: 150,5 x 82,4 x 2,4 cm
u.r.: "FS"
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Ein Skelett auf Greifenklauen, dessen Schädel mit Schnauzbart und ins Gesicht fallendem Haar die Züge Adolf Hitlers trägt, hält in der einen Hand eine rote Fahne mit Hakenkreuz, in der anderen einen Gegenstand, der an Flugzeugturbinen, Bomben oder Raketen erinnert. Im Hintergrund eine zerstörte Stadt.
Es entstand wohl nach seiner Freilassung des Künstlers aus Camp Hutchinson im Sommer 1941. Seine Größe spricht gegen eine Entstehung unter den prekären Bedingungen des Internierungslagers und auch die Erinnerungen von Klaus Hinrichsen, des Sekretärs der dortigen Kulturabteilung: “Solomonksi (…) did very impressionist portraits and later on huge anti-Hitler pictures which were quite terrible because Hitler as a dragon and Hitler …” (Q: Tate, oral history account of Klaus Hinrichsen, typoscript, Reel 07, vgl. Dickson für genaue Angabe)
Solomonski reagiert mit diesem Gemälde auf die verheerenden Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe auf London und andere englischen Städte. Im Juni 1944 wurde es in der Ausstellung des Freien Deutschen Kulturbundes in London ausgestellt, zusammen mit dem selben Thema gewidmeten Arbeiten von Fred Uhlman, Samson Schames und Kurt Lade. Danach erscheint es erst wieder auf Solomonskis Retrospektive in Havanna 1958. Der Katalogeintrag erläugert den historischen Bezug. Nach dem Verkauf seines Nachlasses 1989 gelangte es über den Kunsthandel in die Sammlung des Jüdischen Museums.
Solomonski bearbeitete häufig biblische Themen und interpretierte sie als Metaphern seiner existentiellen Situation. (z.B. „Eliah und der Engel”, vgl. Vincent 2009, S. 103). Als Rabbiner war er auch mit der christlichen Apokalypse vertraut, die sich freilich schon von weitgehend von ihrem religiösen Inhalt gelöst und zu einem allgemeinen Bild für Krieg und Zerstörung geronnen war. Dennoch wurde diese Metapher im Kontext des deutsch-jüdischen Exils kaum verwendet.
Für Solomonski war sie vielleicht auch eine Reminiszenz an David Koigen, dessen religionsphilosophisches Privatkolleg er Anfang der 1930er Jahre besuchte. 1925 hatte dieser seinen Bericht über die Schrecken von Revolution und Bürgerkrieg in Russland unter dem Titel „Apokalyptische Reiter“ veröffentlicht. („Alle vier apokalyptischen Reiter sahen wir von Angesicht zu Angesicht (…) Und was die Pest, Krieg, Hunger und Tod uns nicht beizubringen vermochten, dies taten die Schreckensreiter in leiblicher Gestalt.“ S. 112)
IB 6.2.2025

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