GDR 81_114_0
GDR 81/114/0
Judaica/Angewandte Kunst
Druckgrafik
Lithografie, aquarelliert, auf Karton
Frankfurt a. M. ca. 1845 - 1877
34,2 × 46 cm Rahmenmaße: 54,5 × 69,5 cm
Karl Koetschau: Zwei Historienbilder Eduard Bendemanns. Sammlung Kleiner Düsseldorfer Kunstschriften, Heft 1, Düsseldorf 1925, S. 11 ff. Landesmuseum Münster/Sofer, Zvi (Hg.): Jüdisches Jahr, Jüdischer Brauch, Ausst.Kat., Münster 1972, Kat. 59, S. 60. Sofer, Zvi (Hg.): Jüdischer Alltag, Jüdischer Festtag, Ausst.Kat. Lübeck/Duisburg/Hannover 1975, Nr. 59, S. 54. Die Sammlung Zvi Sofer, Ausst. Kat., Hameln 1980, Nr. 88, S. 53. Bendt, Vera/Berlin Museum (Hg.): Judaica-Katalog, Berlin 1989, Nr. 288, S. 376-377, Abb. S. 344. Budde, Hendrik: Die Reise nach Jerusalem, Berlin 1996, S. 257, Abb. 265.
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Dieser Misrachblatt ist in Form eines Postaments gestaltet, in das fünf bildliche Szenen eingelassen und mit hebräischen Bildunterschriften versehen sind. Das zentrale Hauptmotiv ist nach einem Gemälde von Eduard Bendemann gestaltet, das Jeremia auf den Trümmern von Jerusalem sitzend darstellt. Der hebräische Text, der unter diesem Bild steht, ist dem Psalm 137,5 entnommen: אם אשכחך ירושלים תשכח ימיני ("Im eschkachech Jeruschalajim, tischkach jemini" — Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll meine rechte Hand mich vergessen). Darunter befindet sich ein Textfeld, in dem auf Hebräisch aus Psalm 113:3 zitiert steht: ממזרח שמש עד מבואו מהלל שם ה' ("[Mi]mizrach schemesch ad mewo'o, mehulal schem Adonai" — Von Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergange wird gelobt der Name des Ewigen). Das Wort „Mizrach" (מזרח, Osten) ist hier besonders groß hervorgehoben, um auf die Funktion dieses Drucks als Misrachblatt hinzuweisen.

Darunter befindet sich ein Textfeld, in dem auf Hebräisch aus Psalm 113:3 zitiert steht: ממזרח שמש עד מבואו מהלל שם ה' ("[Mi]mizrach schemesch ad mewo'o, mehulal schem Adonai" — Von Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergange wird gelobt der Name des Ewigen). Das Wort „Mizrach" (מזרח, Osten) ist hier besonders groß hervorgehoben, um auf die Funktion dieses Drucks als Misrachblatt hinzuweisen.
An den vier äußeren Seiten des Postaments sind folgende Themen in Einzelbildern zu sehen, wobei jede Szene am unteren Rand mit einem hebräischen Titel beschriftet ist. Links oben: עקדת יצחק ("Akedat Jizchak", Opferung des Isaak), darunter ברכת יעקב ("Birkat Ja'akow", Segen Jakobs); rechts oben חבטת הסלע ("Chabatat ha-Sela", Moses schlägt mit seinem Stab Wasser aus dem Felsen) und darunter חכמת שלמה ("Chochmat Schlomo", Salomos Weisheit). Künstlerische Vorlage für die letzte Abbildung lieferte Julius Schnorr von Carolsfelds entsprechender Holzstich („Salomos weise Entscheidung") zum Projekt „Die Bibel in Bildern" von 1860.
Auf dem Postament sind rechts und links jeweils ein Räucherfass sowie mittig die Bundeslade (ארון הברית, Aron ha-Brit), flankiert von zwei Engeln und von vorne bedeckt mit den Gesetzestafeln, dargestellt. Unter dem Aron ha-Brit steht der hebräische Text: דע לפני מי אתה עומד ("Da lifnei mi ata omed" — Wisse, vor wem du stehst) aus dem Babylonischen Talmud, Traktat Berachot 28b. Der hebräische Satz מצד זה רוח חיים ("Mi-tzad ze ru'ach chajim" — von dieser Seite her die Quelle des Lebens) verläuft unterhalb der beiden Rauchgefäße von rechts nach links.
Bei dieser Druckgrafik handelt es sich um einen so genannten Misrach (hebräisch מזרח für „Osten"). Das jüdische Gesetz schreibt vor, dass Juden beim Gebet in Richtung des Tempels in Jerusalem blicken. Ein Misrach ist eine dekorative Wandtafel, die in jüdisch-europäischen Privathäusern, Synagogen und Laubhütten aufgehängt wird, um die Gebetsrichtung anzuzeigen.

Herausgegeben wurde dieser Misrach im deutschsprachigen Raum von dem Kunstverleger Eduard Gustav May (1818-1907), der zu den führenden deutschen Produzenten populärer Druckgrafik mit meist christlichen, religiösen Sujets zählte. Im Elsass hingegen wurde dieser Misrach-Typ Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls herausgegeben von der Firma "C. Burckhardt succ. P. C. Wentzel" in Wissembourg (Weissenburg).

Dieser Misrach war Teil der Sammlung Zwi Sofer, die 1981 für die Jüdische Abteilung des Berlin Museums erworben wurde und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet. Da die Provenienz des Objekts zwischen 1933 und 1945 Lücken aufweist, ist das Jüdische Museum Berlin bemüht diese durch gezielte Recherchen aufzuklären.

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