Besamim-Büchse

KGM 81/55/0
Judaica/Angewandte Kunst
Messing, versilbert, getrieben
Frühes 20. Jh.
17,7 cm
Auf Außenwandung, Unterteil: MZ: "CyF" darüber Blume
Die Sammlung Zvi Sofer, Ausst. Kat., Hameln 1980, Nr. 206, S.70. Bothe, Rolf (Hg.): Synagogen in Berlin, Teil 1, Berlin 1983, S. 220, Abb. 49, S. 223, Abb. 54. Bendt, Vera/Berlin Museum (Hg.): Judaica-Katalog, Berlin 1989, Nr. 237, S. 323, Abb. S. 324.
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Die versilberte Besamim-Büchse besteht aus einem kugelförmigen Hauptkorpus, der mittig geteilt und zur Aufnahme der Gewürze geöffnet werden kann. Sie ruht auf einem flachen, mehrfach getreppten Rundfuß mit Eierstabdekor am Rand. Darüber erhebt sich ein schlanker Balusterschaft, auf dem die untere Hälfte des Korpus aufsitzt. Der Aufbau des Objekts folgt dem Prinzip eines Doppelbechers: Die obere Korpushälfte entspricht weitgehend der unteren und fungiert zugleich als abnehmbarer Deckel. Zwei umlaufende Zierbänder mit vegetabilen Ornamenten gliedern den Korpus und betonen die Trennfuge zwischen Ober- und Unterteil. Bekrönt wird die Büchse von einem umgekehrt angesetzten Balusteraufsatz, der in einer Kugel mit filigranartigem Drahtdekor endet. In deren oberem Bereich ist ein blauer Stein eingefasst, der den dekorativen Charakter des Aufsatzes zusätzlich hervorhebt.

Diese Besamim-Büchse setzt sich aus Komponenten unterschiedlicher Provenienz und Entstehungszeit zusammen. Während der obere Teil vermutlich in Israel in den 1960er- oder 1970er-Jahren gefertigt wurde, lassen sich andere Bestandteile in das frühe 20. Jahrhundert datieren. Ob das zusammengesetzte Objekt jemals tatsächlich als Besamim-Büchse Verwendung fand und somit als jüdisches Ritualobjekt anzusprechen ist, lässt sich bislang nicht belegen. Die Kombination von Bestandteilen unterschiedlicher Herkunft und Datierung spricht dafür, dass das Objekt erst nachträglich in seiner heutigen Form zusammengefügt wurde. Die Montage scheint darauf ausgerichtet zu sein, den Anschein eines historischen jüdischen Zeremonialobjekts zu erwecken. Möglicherweise entstand das Stück im Kontext des Antiquitätenhandels, in dem vermeintlich ältere Judaica einen besonderen Sammlerwert besitzen.

Dieses Objekt war Teil der Sammlung Zwi Sofer, die 1981 für die Jüdische Abteilung des Berlin Museums erworben wurde und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet. Da die Provenienz des Objekts zwischen 1933 und 1945 Lücken aufweist, ist das Jüdische Museum Berlin bemüht diese durch gezielte Recherchen aufzuklären.

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