2023/107
2023/107
Judaica/Angewandte Kunst
Silber, getrieben, zisiliert
Frankfurt am Main 1907
18,5 x 10,5 cm, 174 g
Gestempelt (Unterseite Fuß): „HOROVITZ“ Punzen (Unterseite Fuß): „800“, Mond, Reichskrone, „40?25“
Widmungsinschrift auf dem Kuppa: „Die Verwaltung der israelitischen Religionsschule // ihrem verehrten Collegen / Herrn Lassar Mainz // zu seinem 70. Geburtstag / 1 Adar 5667 // in Anerkennung u. Würdigung / seiner Verdienste“ Inschrift auf am Fuß: „כוס ישועות אשא ובשם די אקרא“ (= „Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des A[llmächtigen]“ תהילים פרק קטז, יג / Psalm 116:13)
Der Kiddusch-Becher, der auf einem runden Standfuß ruht, erhebt sich in eleganter, ausgewogener Proportion. Sein breit ausladender, leicht gewölbter Fuß ist mit plastisch gearbeiteten, floralen Ornamenten verziert. Entlang des Randes verläuft eine eingravierte hebräische Inschrift (S. Beschriftung). Aus dem Fuß wächst ein schlanker Schaft empor, der sich sanft verjüngt und in der Mitte durch einen dezenten Knoten akzentuiert wird. Die glatte, unverzierte Fläche des Schafts bildet einen Kontrast zu den reich dekorierten Partien von Fuß und Kuppa. Der Schaft geht in eine trichterförmig sich öffnende Kuppa über. Der Übergang ist weich modelliert und zeigt eine leichte Profilierung. Die Wandung der Kuppa ist im oberen Bereich mit umlaufenden Reliefornamenten geschmückt, die florale Motive in stilisierter Form darstellen. Unterhalb des leicht gewellten Randes befindet sich eine umlaufende Inschrift in deutscher Sprache (s. Beschriftung). Der unregelmäßig geschwungene Rand der Kuppa bildet den oberen Abschluss und verleiht dem Becher dadurch eine lebendige Silhouette.

Lassar (Eliezar) Mainz starb nur vier Jahre, nachdem er diesen Kiddusch-Becher überreicht bekommen hatte. Er wurde auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Frankfurt am Main begraben.

Felix Horovitz (1877–1928) entstammte einer bedeutenden Frankfurter Familie: Er war der Sohn von Rabbiner Dr. Markus Horovitz, der 1878 zum Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main berufen wurde. Sein Bruder war der Bildhauer, Ziseleur und Medailleur Leo Horovitz (1876–1964). Felix betrieb in der Schillerstraße in Frankfurt am Main ein Geschäft für Juwelen, Uhren sowie Gold- und Silberwaren. Dieses umfasste zugleich ein kunstgewerbliches Atelier (Silberwerkstatt), in dem vor allem zeremonielle Objekte für Synagogen sowie Arbeiten für private Auftraggeber entworfen und gefertigt wurden. Die künstlerische Leitung des Ateliers lag bei Leo Horovitz, der für die Entwürfe der Gegenstände sorgte. Somit waren Entwurf, Herstellung und Verkauf am selben Ort vereint.

Wissen Sie mehr zu diesem Objekt?
Haben Sie vielleicht einen Fehler gefunden?

Schreiben Sie uns:

Nach oben springen