GEM 95/9/0
Öl auf Leinwand
1942
Gemäldemaß: 95,3 x 60,3 x 2,6 cm
103,8 x 69 x 5,9 cm, 13 kg ()
Rahmenmaße: 103,8 x 69 x 5,9 cm
u.l.: "Felix Nussbaum / 1942"
o.l. (auf Keilrahmen): diverse Ziffern; o.l. (gelber Aufkleber): "Felix Nussbaum / Einsamkeit / 1942 / WV 262 / P. Neubourg, Osnabrück / 2"; o.r.: "91"; u.m. (Stempel): "60"; u.r.: "91"
Heft "7x versteckt", Artikel zum Objekt "Einsamkeit" von Inka Bertz, in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): gesammelt gefaltet gezählt, Nicolai Verlag 2009.
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Das Gemälde entstand 1942 im Versteck in Brüssel, wohin Felix Nussbaum 1935 mit seiner Frau geflüchtet war. Nach einer Denunziation wurden beide im Juli 1944 verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Zwischen März und Juni 1942 hatte Nussbaum seine Gemälde dem Zahnarzt und Kunstsammler Joseph Grosfils zur Verwahrung gegeben. Nach Kriegsende wurden sie aufgefunden und 1969 an die Erben restituiert, darunter auch dieses Gemälde, das 1995 von einem der Nachkommen erworben wurde. Der Titel „Einsamkeit“ stammt nicht von Nussbaum selbst, sondern wurde dem Werk erst anlässlich der Ausstellung in Osnabrück 1971 gegeben. Durch wen dies geschah und auf welchen Quellen er basiert, ist bislang unbekannt. Für ein Verständnis der Darstellung ist die darin enthaltene Interpretation jedoch eher hinderlich.Das Gemälde ist viele der im Versteck entstandenen Werke in fast farblosen Grau- und Brauntönen gemalt.Hohe Bretterwände bilden eine als enge Gasse und führen in eine unbestimmte Ferne führen. Dort strecken Bäume ohne Blätter ihre Äste in einen düsteren Himmel. Die blasse Figur des Jünglings im Vordergrund hat seine rechte Hand mit gekreuztem Zeige- und Mittelfinger vor seiner Brust erhoben. Mit dieser Geste wird in der christlichen Ikonographie Christus als salvator mundi, als Erlöser, als Erretter der Welt dargestellt. Nussbaum, der sich häufig die Alten Meister bezieht, war dieser Bildtypus sicher vertraut, vielleicht sogar das Gemälde Hans Memlings (1481, Museum of Fine Arts, Boston). Von hinten stürzt eine puppenhafte Gestalt auf ihn zu. Sie hält ein Megafon um zu rufen, aber ihr fehlt der Mund. Sie erinnert an Nussbaums „Selbstbildnis mit Schalltrichter“ (WVZ 290), das um 1936 entstand, etwa um die Zeit als er an seinen Freund Ludwig Meidner schrieb: "Man ruft und schreit, und kein Echo klingt zurück". Auf der rechten Bretterwand erscheint die Erlösergestalt nurmehr als geisterhafter Schatten. (Inka Bertz)
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