Antijüdisches Schmähblatt mit der sogenannten "Juden-Sau"
2000/70/0
Holzschnitt auf Hadernbütten
Südwestdeutschland Druck ca. 1600, Druckstock ca. 1470 - 1480
28 × 42,5 cm (Blattmaß; gerahmt: 42 x 56 x 2,7 cm)
nicht signiert
siehe Beschreibung
Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft. Einundfünfzigster Band. VDG als Imprint von arts + science weimar GmbH, 2024, S.13.
Wilhelm Ludwig Schreiber, Handbuch der Holz- und Metallschnitte des XV. Jahrhunderts, 8. Bde., Leipzig 1926-30, hier Nr. 1961.
Dodgson : Woodcuts of the I5th Century in the John Rylands library. Manchester 191 5. PI. 6. I, 123.
Brückner, Wolfgang 1975: Populäre Druckgraphik. Deutschland vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, Abb. 22, München: Callwey.
Liebe, Georg: Das Judentum in der deutschen Vergangenheit. Leipzig 1903, Abb. 11 (verkleinert).
Herlitz, Georg (Hg.): Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden, Band 3, Berlin: Jüdischer Verlag, 1927-1930, S. 597.
Einblattholzschnitt, s/w, Querformat.
Im Zentrum des Bildes steht eine Sau, nach links gedreht, um die verschiedene Figuren angelegt sind. Stehend vor dem Tier und von der Sau verdeckt stehen zwei bärtige Männer mit langen, antikisierenden Gewändern und Spruchbändern, einander zugewandt und im Gespräch. Die restlichen Figuren tragen zeitgenössische Kleidung mit auffälligen Hüten, die sie als Juden kennzeichnen ("Judenhut"). Direkt vor der Sau sitzt ein Mann mit Spruchband, der ihre Schnauze zu küssen scheint. Unter der Sau sitzen vier Figuren, die gesäugt werden. Über dem Becken der Sau sitzt ein Mann, der in ihren Schwanz beißt, während hinter dem Tier eine letzte Figur mit Spruchband steht, die Zunge ausstreckt und auf den After deutet. Das Bild ist durch einen einfachen Rahmen eingefasst und hat unten eine zusätzliche Schriftzeile.
Bei dem Bild handelt es sich um ein seltenes, drastisches Spottbild einer längeren Legende in alemannischer Mundart und eine der ältesten Karikaturen eines Juden und der "Judensau". Es wurde als Blockdruck im 15. Jahrhundert ausgeführt, wobei es sich hierbei um einen späteren Abdruck von um 1600 handelt.
Das Motiv der "Judensau", die zur Verspottung und weiteren Ausgrenzung der Juden diente, wurde seit dem Hochmittelalter als Skulpturen an einigen Gebäuden, zunächst Kirchen, angebracht. Mit dem Buchdruck fand dieses verletzende Motiv als Karikatur eine weitere Verbreitungsmöglichkeit.
Text der schwer lesbaren Legende:
nun sehen lieben lut./ wie ich uns mutter trug,/ wir juden söllen all ansehen,/ wie untz mit der su ist geschehen./ des söllen wir nit vergessen,/ swinen fleisch sollen wir nit essen./ Sug lieber bruder hartz, / so blos ich ir in den ars./ um dz wir nit essen swinin brotten,/ das umb sind wir gel nud stinckt untz der oten.
Im Zentrum des Bildes steht eine Sau, nach links gedreht, um die verschiedene Figuren angelegt sind. Stehend vor dem Tier und von der Sau verdeckt stehen zwei bärtige Männer mit langen, antikisierenden Gewändern und Spruchbändern, einander zugewandt und im Gespräch. Die restlichen Figuren tragen zeitgenössische Kleidung mit auffälligen Hüten, die sie als Juden kennzeichnen ("Judenhut"). Direkt vor der Sau sitzt ein Mann mit Spruchband, der ihre Schnauze zu küssen scheint. Unter der Sau sitzen vier Figuren, die gesäugt werden. Über dem Becken der Sau sitzt ein Mann, der in ihren Schwanz beißt, während hinter dem Tier eine letzte Figur mit Spruchband steht, die Zunge ausstreckt und auf den After deutet. Das Bild ist durch einen einfachen Rahmen eingefasst und hat unten eine zusätzliche Schriftzeile.
Bei dem Bild handelt es sich um ein seltenes, drastisches Spottbild einer längeren Legende in alemannischer Mundart und eine der ältesten Karikaturen eines Juden und der "Judensau". Es wurde als Blockdruck im 15. Jahrhundert ausgeführt, wobei es sich hierbei um einen späteren Abdruck von um 1600 handelt.
Das Motiv der "Judensau", die zur Verspottung und weiteren Ausgrenzung der Juden diente, wurde seit dem Hochmittelalter als Skulpturen an einigen Gebäuden, zunächst Kirchen, angebracht. Mit dem Buchdruck fand dieses verletzende Motiv als Karikatur eine weitere Verbreitungsmöglichkeit.
Text der schwer lesbaren Legende:
nun sehen lieben lut./ wie ich uns mutter trug,/ wir juden söllen all ansehen,/ wie untz mit der su ist geschehen./ des söllen wir nit vergessen,/ swinen fleisch sollen wir nit essen./ Sug lieber bruder hartz, / so blos ich ir in den ars./ um dz wir nit essen swinin brotten,/ das umb sind wir gel nud stinckt untz der oten.
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