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Kunst
Bronze
Berlin ca. 1934
78 x 44 x 23 cm, 17,35 kg
monogrammiert hi.: "EW"
G.H.: Wettlauf mit dem Leben, in: C.V.-Zeitung Nr. 34 (23.8.1934), Berlin 1934, S. 9. (2. Beiblatt) Heft "7x unterwegs", Artikel zur Plastik von Anna Sophie Howoldt, in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): gesammelt gefaltet gezählt, Nicolai Verlag 2009.
Depositum
Stand: Januar 2026, Recherchen HKBewertung: NS-verfolgungsbedingt entzogen - jaStatus: ursprüngliche Eigentümer*in unbekannt, keine Anhaltspunkte für weitere Recherchen 1934: Elisabeth Wolff, Atelier, Berlin, Herstellung im Auftrag der C.-V.-Zeitung als Wanderpreis beim Sportfest des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände1934: Ring – Bund Deutsch Jüdischer Jugend, Berlin, Übergabe durch Künstlerin an siegreiche Staffel im 400m Staffellauf, Schlussläuferin Hilde Finkenstein1934- bis spätestens 1942/43: Verbleib unbekanntAb spätestens 1942/43-1987: Ernst Grumach, Berlin, von unbekannt zur Verwahrung erhalten, danach in Familienbesitz verbliebenAb 1987: Jüdische Abteilung, Berlin Museum (heute Stiftung Jüdisches Museum Berlin), Depositum/Schenkun
Bronzestatuette einer jungen Frau. Der weibliche Torso ist mit dem rechten Bein nach vorne ausschreitend dargestellt. Oberkörper und Kopf sind leicht nach rechts gedreht. Die Arme sind nicht ausgeführt, wodurch die schlanke, jugendlich Gestalt eine zusätzliche Streckung erfährt.

Die Figur wurde 1934 vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der C.V. - Zeitung als Wanderpreis gestiftet. Beim 1. Sportfest des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände auf dem Sportplatz im Grunewald am 19. August 1934 wurde er zum ersten Mal überreicht. Hilde Finkelstein nahm sie für ihre im 400m Staffellauf siegreiche Mannschaft, den „Ring – Bund Deutsch Jüdischer Jugend“, von der Künstlerin entgegen.
1942 oder 1943 hatte eine junge Frau die Figur Ernst Grumach zur Verwahrung anvertraut – in der Hoffnung, sie eines Tages wieder abholen zu können. Ihr Name und ihre Geschichte sind unbekannt. Vielleicht war sie eine der Läuferinnen und wollte die Figur in Sicherheit bringen, bevor sie deportiert wurde.
Ernst Grumach überlebte den Krieg, weil er mit einer Christin verheiratet war. Seine Witwe übergab die Bronze 1987 der Kuratorin der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums mit der Bitte, sie an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurückzugeben, falls diese sich melden sollten. Ein Aufruf in der Presse und unter Berliner Emigranten blieb erfolglos. So befindet sich Skulptur heute als Depositum in der Sammlung des Jüdischen Museums, die aus der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums hervorgegangen ist.
Die Skulptur als Wanderpreis war eine jener Auftragsarbeiten und Ankäufe, mit denen jüdische Organisationen während des Nationalsozialismus Künstler unterstützen. Die Bildhauerin Elisabeth Wolff (1898 – vermutlich 1969) gehörte zur ersten Generation von Künstlerinnen, die in Deutschland an staatlichen Kunstakademien ausgebildet wurde. In den 1920er-Jahren wurde sie durch ihre Kleinplastiken und Porträtbüsten bekannt. Zwischen 1935 und 1940 emigrierte Elisabeth Wolff nach London, wo sie seit 1934 ihre Werke regelmäßig auf der jährlichen Ausstellung der Royal Academy of Arts und des Freien Deutschen Kulturbundes zeigte. Doch ab 1947 verliert sich ihre Spur. Aus Katalogen und Zeitschriften kennen wir heute mehr als 20 ihrer Werke, doch bis auf das „Schreitende Mädchen“ müssen sie alle als verschollen gelten.
(Inka Bertz / Anna-Sophie Howoldt)

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