Fenster mit bemalter Scheibe

Anonym

1999_156_0
1999/156/0
Judaica/Angewandte Kunst
Glas, partiell bemalt; Bleistege, gelötet; Holz, monochrom gefasst; Eisenbeschläge
vermutlich Süddeutschland oder Österreich vor 1999
57 × 54 × 12,5 cm (Breite: 72,5 (mit ausgelegter Stange), sonst 54,0)
Das Fenster besteht aus bemalten und bleiverglasten Gläsern in einem hölzernen Rahmen und verfügt über einen Griff sowie einen Arretierungsstab zur Öffnung und Fixierung. In die Mitte eines aus bleiverglasten grünen Butzenscheiben eingesetzten Fensters ist eine bemalte Glastafel eingefügt.

Die Komposition zeigt ein architektonisches Tor, flankiert von zwei Säulen mit Medaillons und floralen Amphorenmotiven an den Sockeln. Am oberen Rand deutet ein Ziegeldach die Architektur an, während zwischen den Säulen drapierte Vorhänge den Bildraum rahmen. Vor diesem Hintergrund sind sieben rechteckige Bildfelder angeordnet, die auf die biblischen Gestalten Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Aaron, Josef und David verweisen. Die einzelnen Erzväter werden nicht figürlich oder nur in schematischer Form dargestellt; ihre Identifikation erfolgt vielmehr durch charakteristische Attribute und symbolhafte Szenen. In der Mittelachse befindet sich die hebräische Inschrift „אושפיזין עילאין“ (Ushpizin Ilejn), „die erhabenen Gäste“. Der Begriff bezeichnet die sieben biblischen Gäste, die nach einem auf die lurianische Kabbala zurückgehenden Brauch während des Sukkotfestes symbolisch in der Laubhütte empfangen werden. Der insgesamt illustrative Charakter der Komposition lässt eher an Vorlagen aus gedruckten Büchern denken als an die Ausgestaltung eines handwerklich gefertigten Ritualobjekts. Die Darstellung erweckt den Eindruck, auf grafischen Vorlagen zu beruhen oder von Buchillustrationen inspiriert worden zu sein.

Mehrere Aspekte des Objekts werfen Fragen hinsichtlich seines behaupteten Alters und seiner Authentizität auf. Die Bleiruten und insbesondere die Lötstellen auf der Rückseite erscheinen ungewöhnlich regelmäßig und technisch gleichförmig ausgeführt. Die Lötverbindungen weisen Merkmale auf, die eher mit modernen Verglasungs- oder Restaurierungstechniken als mit der Herstellung bleigefasster Verglasungen des 19. Jahrhunderts oder früherer Zeitstellungen in Einklang zu bringen sind. Zudem fehlen den Lötungen jene Unregelmäßigkeiten und altersbedingten Abnutzungsspuren, die für historische Bleiverglasungen charakteristisch sind.

Auch die Konstruktion des Objekts steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu seiner Ikonographie. Während die Bemalung und die hebräische Inschrift auf die Ushpizin, die symbolischen Gäste des Sukkotfestes, Bezug nehmen, handelt es sich bei dem Objekt selbst um ein verglastes Flügelfenster mit Scharnieren, Griff und Arretierungsstab. Ein derartiges Fenster wäre für eine traditionelle Sukka, die ihrer Natur nach eine temporäre, nur für die Dauer des Festes errichtete Struktur darstellt, eher ungewöhnlich. Das Verhältnis zwischen der funktionalen Form des Objekts und seinem vermeintlichen rituellen Kontext bleibt daher unklar. Bislang konnten keine dokumentierten historischen Vergleichsbeispiele von Sukka-Ausstattungen oder -Dekorationen mit einer entsprechenden Konstruktion nachgewiesen werden. Weitere Fragen ergeben sich aus Stil und Konzeption der Bemalung. Die Ikonographie verbindet architektonische Motive, schematisch ausgeführte biblische Szenen und hebräische Inschriften in einer Weise, die sich nicht ohne Weiteres mit dokumentierten Laubhüttendekorationen des 19. Jahrhunderts aus Mittel- oder Osteuropa in Verbindung bringen lässt. Hinzu kommt, dass die Provenienz des Objekts nur unzureichend dokumentiert ist. Das Fenster wurde 1999 über den Kunsthandel erworben; Angaben zu seiner früheren Besitzgeschichte, seinem ursprünglichen Standort oder seinem historischen Nutzungskontext liegen bislang nicht vor. Die fehlende oder nur lückenhaft nachvollziehbare Provenienz erschwert eine Einordnung des Objekts und muss bei der Beurteilung seiner Datierung und Authentizität berücksichtigt werden.

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