Lebensbericht: Erinnerungen von Martha Mosse (1884-1977)

Martha Mosse geb. Berlin 29.05.1884 gest. Berlin 02.09.1977

DOK 78/3/0
Archiv
Papier
Berlin 1963
29,5 × 21 cm
Kraus, Elisabeth: Die Familie Mosse. Deutsch-jüdisches Bürgertum im 19. und 20. Jahrhundert, München: Beck 1999.
Schenkung von Else Sander
sieben maschinenschriftliche Seiten, beidseitig beschrieben, eigenhändige Unterschrift von Martha Mosse

Familiengeschichtliche Aufzeichnungen der Kriminalrätin Dr. Martha Mosse.

In ihrem Lebensbericht (1963) erzählt Martha Mosse, geboren 1884 in Berlin, von ihrer Kindheit und Jugend, Familiengeschichte, sowie Berufsleben bis zu ihrer Pensionierung 1953 und Erfahrungen während der NS-Zeit in Berlin.

Ihr Vater arbeitete ab 1886 einige Jahre in Japan als Rechtsberater der japanischen Regierung und nahm seine Familie in das Land mit. Martha war zuerst im Bereich der Sozialarbeit tätig, studierte dann aber Rechtswissenschaften in Berlin und Heidelberg und begann ihre Arbeit bei der Polizei. Dort wurde sie als erste Frau zum "Polizeirat" ernannt. Da sie Jüdin war, wurde sie aber 1933 entlassen.

Daraufhin trat sie in den Dienst der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Die Gestapo zwang die Jüdische Gemeinde zur Zusammenarbeit bei der Organisation der Deportationen. In diesen Prozess war auch Martha Mosse involviert, bis sie 1943 selbst nach Theresienstadt deportiert wurde. Nur durch das Eingreifen der Japanischen Botschaft konnte ihr Transport nach Ausschwitz verhindert werden. 1945 kehrte sie nach Berlin zurück, sagte bei den Nürnberger Prozessen aus, nahm ihre Polizeiarbeit wieder auf bis sie schließlich 1953 in den Ruhestand ging.

Martha Mosse setzte sich für Frauenrechte ein und lebte in einer langjährigen Beziehung mit Erna Stock.

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