Eintrittskarte zu einem "orientalischen Fest" der Ažbe-Schule
DOK 89/1/1
Linolschnitt, Karton, Tinte
München 1. Februar 1896
17,1 × 33,9 cm
u.m. im Druck: "A. Kratz"
Im Druck: "Eintrittskarte zum orientalischen Fest der Ažbe-Schule // Georgenstr. 16 am 1. Febr. 1896 / Dieser Coupon ist vorzuzeigen." Handschriftlich: "für Frl. Livia Cohen"
Schenkung von Klaus Siepert
Diese Eintrittskarte wurde vom Schüler Alfred Kratz für ein "orientalisches" Kostümfest der privaten Malschule von Anton Ažbe entworfen und als Druckgrafik ausgeführt. Die Karte war für Livia Cohen bestimmt, die spätere Ehefrau des Gestalters. Ihr Name sowie Ort und Datum des Festes – Georgenstraße 16, 31. Januar und 1. Februar 1896 – wurden von Hand auf einem gesonderten Feld am rechten Rand der Karte eingetragen. Die Komposition ist im Stil des aufkommenden Jugendstils gehalten und vereint dekorativen Linienfluss mit theatralischer Figurendarstellung.
Im linken Bildbereich raucht eine sitzende, gewandete Figur mit weitem Turban und langem Bart eine Wasserpfeife (Nargileh). Sie ist möglicherweise als weiser Alter oder Zauberer stilisiert. Die geschwungenen Rauchschwaden der Pfeife steigen in ornamentalen Kurven empor und bilden das gestalterische Fundament der oberen Bildhälfte. Aus ihr geht zugleich der kalligraphisch ausgeführte Schriftzug „Eintrittskarte 3 M.” hervor.
Im Zentrum und im Vordergrund des Blattes ist ein Schwarzer Mann mit weit aufgerissenem Mund zu sehen, der entweder erschrocken ist oder etwas ausruft. Mit seiner expressiven, dramatisch akzentuierten Darstellung bildet er den emotionalen Mittelpunkt der Szene. Hinter ihm drängt sich eine Gruppe von Frauen, die bis auf die Augen verschleiert sind. Mit ihren weißen Gewändern und Schleiern werden sie vermutlich als Haremsfrauen dargestellt. Die eng zusammengerückten Gesichter der Frauen verstärken die beinah karikaturistische Wirkung des Bildes.
Der untere Bereich der Karte ziert ein aufwendig gestalteter Schriftzug in geschwungener, ornamentaler Letternsprache: „Der orientalische Fest der Ažbe-Schule“. Die Komposition ist im rechten unteren Bereich mit „A. Kratz.” signiert.
Der slowenischen Maler, Anton Ažbe, unterhielt in München eine äußerst beliebte Privatmalschule, die er zuletzt in der Georgenstraße 16 betrieb, der Adresse, die auf dieser Karte vermerkt ist. Im Gegensatz zur staatlichen Akademie waren in Ažbes privater Malschule auch Frauen zugelassen und Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Herkunft und Vorkenntnisse arbeiteten in den Atelierräumen zusammen. Die Wahl des Festthemas, das auf europäischen Vorstellungen vom Nahen Osten und Nordafrika basiert, spiegelt eine Tendenz der Münchner Kunstszene der 1890er Jahre wider: Außereuropäische Kulturen wurden als exotische Kulisse inszeniert, wobei klischeehafte Bilder weniger die Realität dieser Kulturen abbildeten als vielmehr europäische Fantasien bedienten. Kostümfeste mit ähnlichen Themen waren auch bei anderen Künstlervereinigungen und Akademien dieser Zeit beliebt. Der Begriff „orientalisch“, wie er im Originaltitel der Veranstaltung erscheint, wird hier ausschließlich als Zitat aus dem historischen Quellenmaterial verwendet.
Im linken Bildbereich raucht eine sitzende, gewandete Figur mit weitem Turban und langem Bart eine Wasserpfeife (Nargileh). Sie ist möglicherweise als weiser Alter oder Zauberer stilisiert. Die geschwungenen Rauchschwaden der Pfeife steigen in ornamentalen Kurven empor und bilden das gestalterische Fundament der oberen Bildhälfte. Aus ihr geht zugleich der kalligraphisch ausgeführte Schriftzug „Eintrittskarte 3 M.” hervor.
Im Zentrum und im Vordergrund des Blattes ist ein Schwarzer Mann mit weit aufgerissenem Mund zu sehen, der entweder erschrocken ist oder etwas ausruft. Mit seiner expressiven, dramatisch akzentuierten Darstellung bildet er den emotionalen Mittelpunkt der Szene. Hinter ihm drängt sich eine Gruppe von Frauen, die bis auf die Augen verschleiert sind. Mit ihren weißen Gewändern und Schleiern werden sie vermutlich als Haremsfrauen dargestellt. Die eng zusammengerückten Gesichter der Frauen verstärken die beinah karikaturistische Wirkung des Bildes.
Der untere Bereich der Karte ziert ein aufwendig gestalteter Schriftzug in geschwungener, ornamentaler Letternsprache: „Der orientalische Fest der Ažbe-Schule“. Die Komposition ist im rechten unteren Bereich mit „A. Kratz.” signiert.
Der slowenischen Maler, Anton Ažbe, unterhielt in München eine äußerst beliebte Privatmalschule, die er zuletzt in der Georgenstraße 16 betrieb, der Adresse, die auf dieser Karte vermerkt ist. Im Gegensatz zur staatlichen Akademie waren in Ažbes privater Malschule auch Frauen zugelassen und Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Herkunft und Vorkenntnisse arbeiteten in den Atelierräumen zusammen. Die Wahl des Festthemas, das auf europäischen Vorstellungen vom Nahen Osten und Nordafrika basiert, spiegelt eine Tendenz der Münchner Kunstszene der 1890er Jahre wider: Außereuropäische Kulturen wurden als exotische Kulisse inszeniert, wobei klischeehafte Bilder weniger die Realität dieser Kulturen abbildeten als vielmehr europäische Fantasien bedienten. Kostümfeste mit ähnlichen Themen waren auch bei anderen Künstlervereinigungen und Akademien dieser Zeit beliebt. Der Begriff „orientalisch“, wie er im Originaltitel der Veranstaltung erscheint, wird hier ausschließlich als Zitat aus dem historischen Quellenmaterial verwendet.
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