2003_207_0 Rückseite
2003/207/0
Kunst
Gemälde
Öl auf Leinwand, Mischtechnik, Sand auf Leinwand
Düsseldorf 1925
120 × 110 cm Rahmenmaße: 130,6 × 121,1 × 7 cm
o.l.: "adler" verso signiert und bezeichnet: "Düsseldorf Liststraße 26"
auf Leinwand: Jankel Adler // Düsseldorf // Liststr. 26 // "Sabbat"
Heft "7x heimisch", Artikel zum Objekt "Sabbat" von Inka Bertz, in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): gesammelt gefaltet gezählt, Nicolai Verlag 2009. Ausstellungskatalog: Jankel Adler und die Avantgarde, Chagall, Dix, Klee, Picasso, 2018 Von der Heydt-Museum Wuppertal, S. 66, 71, 304. Inka Bertz: JA. Jankel Adler im Jüdischen Museum Berlin. In: Zwei Magazin des Jüdischen Museums Berlin, 2004, Nr. 3, S. 4-9.
Aus leicht erhöhter Perspektive fällt der Blick in eine Stube. Der Mann liegt auf dem Sofa, seinem Tallit neben sich gefaltet, das Gebetbuch noch aufgeschlagen, den Blick in eine unbestimmte Ferne gerichtet. Seine Frau blickt auf den Tisch, wo die Dinge liegen, die zur Begrüßung des Schabbat gehören: Der Hefezopf halb aufgegessen, das Weinglas geleert und die Kerzen erloschen. Einer der beiden Kerzenständer ist umgefallen. Ein Vogel fliegt zum Fenster herein, angelockt von den Kernen in der Schale, die die Frau auf dem Schoß hält. Ein leerer Stuhl im Vordergrund verweist auf eine abwesende Person, die bereits verabschiedet oder vergeblich erwartet wurde. Er verstärkt die melancholische Atmosphäre, die über der Szene liegt.
Das Gemälde entstand, wie die auf der Rückseite angegebene Adresse zeigt, in Düsseldorf. Hier gehörte Adler zur Künstlergruppe „Das junge Rheinland“ und zum Kreis um die Galeristin Johanna („Mutter“) Ey. Vor seiner Übersiedlung nach Wuppertal und später nach Düsseldorf war Adler 1918-1920 in seiner Geburtsstadt Lodz Mitglied der Gruppe „Jung Jiddisch“, einer Vereinigung jüdischer bildender Künstler und Schriftsteller in Polen. Hier entwickelte er sein Konzept einer jüdischen Kunst als Teil der europäischen Moderne. Mitte der 1920er Jahre wurde sein ekstatisch-mystisches, an die Formensprache El Grecos angelehntes Frühwerk abgelöst durch eine, stets leicht melancholische, kühl-monumentalsierende Haltung. Die ungewöhnliche Technik des Gemäldes, in dem Muster in eine Mischung aus Sand und Farbe, geritzt sind, verdankt sich seiner Auseinandersetzung mit der Wandmalerei, etwa bei der Ausmahlung der Düsseldorfer Tonhalle 1926.
Bei alldem fuhr er fort, sich mit jüdischen Themen auseinanderzusetzen und war weiterhin Teil eines Netzwerkes jüdischer Künstler, Kritiker und Sammler. Die Provenienz des Gemäldes zeugt davon: Es gehörte Josef Gottlieb (Neustadt an der Aisch 1885 – 1980 Bad Tölz). Der Sohn eines Kantors und Religionslehrers war aus Palästina nach Deutschland eingewandert. Nach dem Jura-Studium in Königsberg arbeitete er in Düsseldorf als Rechtsanwalt unter anderem für das Kaufhaus Tietz, wo er auch Kunstausstellungen organisierte. Er war im Vorstand zionistischer Organisationen aktiv und gehörte der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde an. Als Kunstsammler interessierte er sich neben Adler auch für Künstler wie Arthur Kaufmann und Otto Dix. Das Gemälde „Sabbat“ erwarb er 1928 vom Künstler. Es begleitete ihn 1933 in die Emigration nach Tel Aviv und 1955 zurück nach Deutschland. Das Jüdische Museum Berlin erwarb es durch Vermittlung von seinem Erben.
(Inka Bertz)

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