Frederick Solomonski
Solomon (ab 1939)
Berlin 1899
Rochester, USA 1980
Frederick Solomonski wurde am 1. Juni 1899 in Berlin als
Fritz Salomonski und dritter Sohn des aus der Provinz Posen stammenden Textilkaufmanns
Sally Salomonski geboren. (Q: hier und ff: Lebenslauf in Dissertation, mapping
the lives, Ben Uri Gallery) Er besuchte das Köllnische Gymnasium, wo er 1917 unter
Befreiung von der mündlichen Prüfung sein Reifezeugnis erhielt und sich an der
Friedrich-Wilhelms-Universität in Kunstgeschichte, Philosophie, ferner
Archäologie und Musikgeschichte einschrieb. 1923 promovierte er in Kunstgeschichte bei Max Dessoir und
Adolph Goldschmidt mit einer Arbeit zur „Entwicklung und Begriff des
Expressionismus in der Malerei des 20. Jahrhunderts nebst kritischer Erörterung
über das Problem der Naturferne“. Die zeitgenössischen Debatten Expressionismus
und Abstraktion rekapitulierend, vertritt er darin die These, durch Aufgabe der
Bindung an den Gegenstand verliere die Kunst ihre kommunikative Funktion und werde
zur bloßen Selbstentäußerung des Künstlers und zum Selbstzweck. Neben seiner akademischen erhielt er während der ersten
Semester eine künstlerische Ausbildung in den „Studienateliers für Malerei und
Plastik“ („Lewin-Funcke-Schule). Seine Lehrer dort waren der Symbolist Martin Brandenburg,
Eugen Spiro und Willy Jaeckel, dessen Meisteratelier er besuchte. In späteren, in
den 1950er Jahren verfassten Lebensläufen nannte er auch Max Liebermann als
seinen Lehrer, von dem er einer anderen Quelle zufolge jedoch lediglich eine Empfehlung erhalten hatte. Mit der Wahl seiner künstlerischen Lehrer Brandenburg und
Jaeckel, ebenso wie durch die seines akademischen Lehrers Max Dessoir zeigte
Solomonski sein Interesse an der Verbindung von Kunst mit Religion, Mystik und dem
Übersinnlichem. Von Eugen Spiro hingegen erhielt er wohl wichtige Anregungen in
der Porträtmalerei. Seit spätestens 1930 gehörte er auch zum Kreis um den aus
Russland stammenden Hegelianers David Koigen. Er nahm regelmäßige an dessen Privatkolleg,
der „Religionsphilosophischen Arbeitsgemeinschaft“ teil und fertigte die
Sitzungsprotokolle (Q: Abraham Joshua Heschel: Prophetic Witness, Hg. V.
Kaplan, Edward K., 1942, New Haven : Yale University Press 1998, S. vgl. S.
329-330, Anm. 21). Salomonski zeigte seine Werke auf den Juryfreien Kunstschauen,
sowie auf der Präsentation der Bewerbungsarbeiten um den Staatspreis der
Akademie der Künste, den er jedoch nie erhielt (Q: Archiv Akademie der Künste).
Gelegentlich schrieb er Kunstkritiken und seit 1928 hatte er Auftritte als Konzert-
und Bühnensänger sowie als Kantor in Synagogen (Q: compact memory). Als ihm nach 1933 die Laufbahn als Künstler, Musiker oder
Schriftsteller verschlossen wurde, wandte er sich dem Beruf des Kantors zu und
wurde 1934 auch Schriftführer im Vorstand der Kantorenvereinigung von
Groß-Berlin. Daneben trat er gelegentlich in musikalischen Aufführungen des
Jüdischen Kulturbundes auf und beteiligte sich an dessen Ausstellungen. Drei
seiner Gemälde waren 1938 für die nicht mehr zustande gekommene Ausstellung „Die
Bibel in der heutigen jüdischen Kunst“ im Berliner Jüdischen Museum vorgesehen
(Q: LAB, WGA) Schon 1936 war er mit seiner Ehefrau Margot, die er 1935
geheiratet hatte, nach Göttingen übersiedelt, um dort das Amt des Kantors
anzutreten. Im Herbst 1938 wechselte er an die Gemeinde in Wuppertal-Elberfeld.
(Q: Die jüdischen Bürger im Kreis Göttingen) Im Frühjahr 1939 floh er nach London, war dort ebenfalls als
Kantor tätig und änderte seinen Namen in Frederick Solomonski. Im Sommer 1940 wurde er als „feindlicher Ausländer“ für etwa
ein Jahr im Camp Hutchinson auf der Isle of Man interniert. Dort nahm er an den
kulturellen und künstlerischen Aktivitäten teil, für die dieses Camp später
berühmt wurde: Er unterzeichnete den offenen Brief mit der die Freilassung der
meist jüdischen Gefangenen gefordert wurde, er stellte in der Lagerausstellung
aus und publizierte eine Zeichnung im Lager-Almanach. Die aus dieser Zeit erhaltenen
Zeichnungen lassen vermuten, dass er, ähnlich wie auch sein Mitgefangener Kurt
Schwitters, Porträts und Landschaften als Tauschobjekte fertigte. (Q: Dickinson
oder Ben Uri Bio)” Seit seiner Freilassung im Spätsommer 1941 trat er wieder
als Kantor auf. Seine künstlerischen Arbeiten wurden im Rahmen der Künstlersektion
des Freien Deutschen Kulturbundes ausgestellt, unter anderem der „Artists Aid
Jewry Exhibition“ 1943. Zu Beginn des Jahres 1944 wurde Solomonski der erste fest
angestellte Kurator der Ben Uri Art Society, eines 1915 von jüdischen Immigranten
aus Osteuropa gegründeten Künstlervereins, der nun den geflohenen deutschsprachigen
Künstler’innen eine Plattform bot. Doch war es wohl diese enge Anbindung an die
„Community“, etwa durch Tanzveranstaltungen, die Solomonski bewog, die Stellung
nach einem knappen Jahr wieder aufzugeben. (Q: Dickinson 2011) 1944 gewann er den Mowbray Prize für religiöse Malerei mit
seinem Gemälde “Jakob ringt mit dem Engel“. Er beteiligte sich an Ausstellungen
der Ben Uri Society und der Royal Academy. Einzelausstellungen zeigte die Galerie
Jabe und die Kensington Art Gallery. Nicht zuletzt war er mit den Gründern des Hampstead
Artists Council gut vernetzt und fand in dem bekannten englischen Sammlers
Samuel Courtauld einen Mäzen, der der Tate seine Werke erfolglos anbot. Doch trotz
dieser einzelnen Erfolge bot ihm seine künstlerische Arbeit, zumal, in diesen ökonomisch
schwierigen Jahren, keine dauerhafte Lebensgrundlage. Weiterhin war er daher in Synagogen als Kantor, „minister“ und
später als Rabbiner tätig, vor allem in der von Lilly Montagu der ersten
Rabbinerin und Mäzenin des englischen Reformjudentums gegründeten West Central
Liberal Jewish Synagogue und anderen Reformgemeinden (Q: Synagogengeschichten-Website;
Rigal, Brief History…., 1978, S.8) Im Herbst 1954 folgte er der Einladung der Union of American
Hebrew Congregations auf den Posten als Rabbiner des Tempels Beth Ha Shalom in
Williamsport, Pennsylvania an. Seinen Nachnamen verkürzte er fortan zu Solomon,
seinen Vornamen gelegentlich zu Fred. Auch hier verband er seine Tätigkeit als
Rabbiner immer wieder mit Ausstellungen und Vorträgen zu Themen der bildenden
Kunst. Drei Jahre später, im Herbst 1957 wechselte er auf den Rabbinerposten
am Temple Beth Israel in Havanna, einer Reformgemeinde unter dem Dach der Union
of American Hebrew Congregations. Im Palacio des Bellas Artes von Havanna konnte er im
November 1958 eine umfangreiche Einzelausstellung seiner Gemälde zeigen. Nach der kubanischen Revolution kehrte Solomonski 1960 in
die USA zurück und amtierte zunächst als Rabbiner am Temple B’nai Israel in
Laconia, New Hampshire. 1963 zog er nach Rocherster, New Hampshire, wo er sich
wieder intensiver seiner künstlerischen Arbeit widmete, eine Kunstgalerie betrieb
und das Department of Fine Arts am Nathaniel Hawthorne College in Antrim, New
Hampshire leitete. 1980 starb er in Rochester, New Hampshire 1989 wurde sein versteigert. Teile davon gelangten an die University
of New Hampshire in Durham, NH und die University of Florida in Miami, FL. Quellen: Wo Quelle nicht ausgewiesen: https://benuri.org/artists/368-frederick-solomonski/biography/ IB, 3.2.2025
Alle Objekte zu dieser Person
Wissen Sie mehr zu diesem Objekt?
Haben Sie vielleicht einen Fehler gefunden?
Schreiben Sie uns: