Joseph Lindenberger
19.04.1887
Tel Aviv 1949
- Konvolut 0059.01.01: Joseph Lindenberger - Lebensdokumente;
- Konvolut 0059.01.02: Joseph Lindenberger - Emigration und Exil;
- Konvolut 0059.01.03: Joseph Lindenberger - Haushalt;
- Konvolut 0059.01.04: Joseph Lindenberger - Restitution;
- Konvolut 0059.01.05.01: Joseph Lindenberger - Familienangehörige - Isaak Lindenberger;
- Konvolut 0059.01.05.02: Joseph Lindenberger - Familienangehörige - Henriette Lindenberger;
- Konvolut 0059.01.05.03: Joseph Lindenberger - Familienangehörige - Manfred Lindenberger;
- Fotoalbum mit Familienfotografien von Joseph (1878-1948), Helene und Hermann Lindenberger (1920-);
- Rollenporträt von Joseph Lindenberger (1887-1949) als Belbencaccio;
- Joseph Lindenberger (1887-1949);
- Joseph Lindenberger (1887-1949) mit Schwester Meta (1888-1991);
- Sammlung Familie Lindenberger;
- Porträt Joseph Lindenberger (1887-1949);
- Das Brautpaar Joseph (1887-1949) und Helene Lindenberger (1884-1952) mit den Frauen und Kindern ihrer Hochzeitsgesellschaft;
- Das Brautpaar Joseph (1887-1949) und Helene Lindenberger (1884-1952) mit den Männern und Kindern ihrer Hochzeitsgesellschaft;
- Das Brautpaar Joseph (1887-1949) und Helene Lindenberger (1884-1952) mit den Herren und Kindern ihrer Hochzeitsgesellschaft;
- Joseph (1887-1949) und Helene Lindenberger (1884-1952) am Kaffeetisch;
- Joseph (1887-1949) und Helene Lindenberger (1894-1952) mit ihren Kindern;
- Gruppenbild im Garten;
- Herrmann (1920-2003) und Joseph Lindenberger (1887-1949) vor ihrem Transporter;
- Blick auf das Haushaltswarengeschäft Lindenberger;
- Hermann Lindenberger (1920-2003) und ein Taxi;
- Gruppenporträt der Familie Lindenberger anlässlich der Bar Mizwa von Hermann Lindenberger (1920-2003)
Joseph Lindenberger war am 18. April 1878 in Berlin als Sohn
von Isaak und Esther Lindenberger geb. Pass geboren worden. Am 12. Juni 1919 heiratete er in Merseburg Helene
Taitza, Tochter des Kaufmanns Hermann (Hirsch) Taitza und der Henriette Taitza geb. Abramowitz. Das
Ehepaar bekam zwei Kinder, den Sohn Hermann und die Tochter Elfriede, genannte Etta. Joseph sollte bei Erreichung des 30. Lebensjahres ebenfalls
in die Firma seines Vaters eingetragen werden und gleiche Rechte mit den
anderen am Geschäft beteiligten Brüdern erhalten, was letztendlich jedoch nie
geschah, so dass er nach seiner Heirat das Geschäft der Familie seiner Frau in
Merseburg mit übernahm. Joseph Lindenberger arbeitete nun im 1881 gegründeten Textilwaren-,
Kurzwaren- und Weißwarengeschäft und Konfektionshaus für Herren- und Damenbekleidung
mit den Standorten Neu Markt 18 und Gotthardstraße 37-39 der Familie Taitza in
Merseburg. Mit der antijüdischen Propaganda ab 1933 nahm die Kundschaft des
Geschäftes zunehmend ab und die Verkaufszahlen gingen zurück. Die Familie Joseph Lindenberger war sehr angesehen in
Merseburg und Halle a. S.. Sie besaßen bis 1938 Immobilien und ein
dreistöckiges Bekleidungsgeschäft in 2. Generation Helene Lindenbergers. Im
November 1938 musste das Geschäft aufgrund der Verordnung zur Ausschaltung der
Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben schließen. Letzte Eigentümerin war
Helene Lindenberger. Joseph und Helene Lindenberger hatten bereits begonnen,
die Emigration der Familie zu organisieren und zwangsverkauften ihr Haus in der
Gotthardstraße 39. Da das Geld für das verkaufte Haus in Merseburg auf einer dortigen Bank lag,
fuhren Helene Lindenberger und ihre Tochter Etta noch einmal zurück nach Deutschland, um den
Besitz der Familie zu retten. Auf der Autofahrt nach Merseburg erlitten sie einen Unfall,
Helene Lindenberger wurde schwer verletzt und die Frauen verloren ihre Reisepässe. Erst nach
mehreren Wochen konnten sie ihre Reise fortsetzen. Das Geld in Merseburg war inzwischen
konfisziert worden und Mutter und Tochter liefen ohne Reisepässe Gefahr, Deutschland nicht mehr
verlassen zu können. Ein Beamter aus Merseburg namens Rehberg, den sie von früher her kannten, half
den Frauen und stellte ihnen neue Reisepässe aus. Er machte es ihnen auch möglich, von ihrem
konfiszierten Geld zumindest die Steuern zu bezahlen, die Juden dem deutschen Staat entrichten
mussten, um auswandern zu können. Helene und Etta Lindenberger kehrten nach Italien zurück
und die gesamte Familie emigrierte im September 1938 über Genua nach Palästina. Mittellos ließen sie sich in Tel Aviv nieder und versuchten
mühsam Fuß zu fassen. Joseph Lindenberger verdiente als Fahrer sein Geld und
fuhr während des Unabhängigkeitskrieges 1948 Soldaten von Tel Aviv zu den
Kampfplätzen. Etta Lindenberger hatte bereits in Leipzig als Köchin in einem
jüdischen Restaurant gearbeitet und konnte die Familie nun mit Jobs in der
Gastronomie finanziell unterstützen. Hermann Lindenberger, der im nationalsozialistischen
Deutschland aufgrund der Rassegesetze keine kontinuierliche Ausbildung absolvieren
konnte, verdiente sein Geld ebenfalls als Fahrer und fuhr Taxi. Hermann Lindenberger war am 12. März 1920 als Sohn von Joseph und Helene
Lindenberger geb. Taitza in Berlin geboren worden und verbrachte seine Schulzeit in Merseburg.
Aufgrund der nach 1933 zunehmend schwieriger werdenden Ausbildungssituation für Juden musste er
in den folgenden Jahren mehrmals seine Ausbildungsplätze wechseln. Im August/September
1938 verließ Hermann Lindenberger mit seinem Vater Joseph das nationalsozialistische
Deutschland und seine Frau Helene und die Tochter Etta folgten einige Wochen
später mit dem Schiff von Triest. Joseph Lindenberger verstarb im Februar 1948 in Tel Aviv.
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