Albert H. Friedlander

Berlin 10.05.1927
London 08.07.2004
Albert H. Friedlander (10. Mai 1927, Berlin – 7. Juli 2004, London) war Rabbiner, Gelehrter und einer der bedeutendsten Vertreter des liberalen Judentums und des christlich-jüdischen Dialogs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Kind einer jüdischen Berliner Familie emigrierte er nach den Novemberpogromen 1938 zunächst nach Kuba und 1939 in die USA. Nach seinem Rabbinatsabschluss am Hebrew Union College in Cincinnati (1952) und der Promotion an der Columbia University (1956) mit einer Arbeit über Leo Baeck folgte er 1966 einem Ruf nach London, wo er bis zu seinem Tod als Rabbiner der Westminster Synagoge sowie als Dekan des Leo Baeck College (1982–2004) wirkte. Als führender Interpret des Werkes von Leo Baeck, dem geistigen Vorbild des liberalen Judentums in Deutschland, und als Autor grundlegender Werke zur Schoah-Literatur verkörperte Friedlander den Mut zur Versöhnung: Er kehrte regelmäßig in sein Geburtsland zurück, war seit 1979 als jüdischer Dialogpartner auf Evangelischen Kirchentagen und Katholikentagen präsent und wirkte als Gastprofessor an deutschen Universitäten — ein außergewöhnliches Zeugnis der Bereitschaft, trotz persönlicher Verfolgungserfahrung den Dialog mit dem Nachkriegsdeutschland aktiv zu suchen. Für dieses Engagement erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland sowie den Orden Officer of the Most Excellent Order of the British Empire (OBE).
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