Challa-Deckchen

KGT 81/91/0
Judaica/Angewandte Kunst
Samt; bestickt; Perlen, Futter: Baumwollstoff
Mitteleuropa laut Inschrift 1887 bis 1888
Höhe: 44 cm Breite: 49.5 cm
Oben, auf hebr.: "Zachor et-jom ha-Schabbat lekadscho!"; Unten, auf hebr.: "Baruch ata H´ [Abk. f. G´tt] Eloheinu, melech ha-olam, bore pri / hagafen!" Mittig hebr. Chronogramm: "Taw", "Resch", "Mem", "Chet" l[i]f[rat] k[atan] (nach der kleiner Zählung)
Berlin Museum (Hg.): Sofer-Kat., S. 59, Nr. 134. Berlin Museum (Hg.): Judaica, Berlin 1989, Abb. 221.
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Das Challa-Deckchen hat eine rechteckige Grundform und besteht aus weinrotem Samt. Es ist in den Farben Gelb, Beige, Ocker, Graubraun und Rosa reich mit hebräischer Schrift und verschiedenen Motiven bestickt beziehungsweise mit vorgefertigten Stickereiapplikationen versehen. Umrandet wird das Deckchen von einer gestreiften Kordel, die jeweils in den vier Ecken zu Schleifen gebunden ist.

Im Zentrum des Deckchens sind die zwei Gesetzestafeln dargestellt. Die Gebote sind durch die arabischen Ziffern 1 bis 10 von links nach rechts angedeutet. Darunter ist ein hebräisches Chronogramm aufgestickt, das das Entstehungsdatum des Deckchens, 5648 [=1887-1888], wiedergibt. Rechts und links flankieren zwei steigende Löwen die Gesetzestafeln. Oberhalb der Gesetzestafeln befindet sich eine Krone, von der seitlich florales Ornament ausgeht. Eingerahmt werden die Bildmotive oben und unten von zwei hebräischen Spruchbändern (siehe Inschrift). Der oben angebrachte Satz bedeutet auf Deutsch: "Gedenke des Schabbat-Tages, ihn zu heiligen!" (Schemot 20:8). Der unten angebrachte Satz ist Teil des Kiddusch und ein Segen, den man über dem Wein spricht. Er lautet auf Deutsch: "Gesegnet bist du, unser G'tt, König der Welt, der die Frucht des Weinstockes schafft."

Der untere Satz weist im hebräischen Wort für "König" einen Schreibfehler auf. Durch das vermutlich versehentliche Vertauschen eines Buchstabens ändert sich die Wortbedeutung von "König" zu "Salz".

Challa-Deckchen dienen dazu die zwei Challot (Schabbat-Brote) während des Kiddusch zu bedecken, wie es vorgschrieben ist (Schulchan Aruch, Orach Chaijim 271:9).

Dieses Deckchen war Teil der Sammlung Zwi Sofer, die 1981 für die Jüdische Abteilung des Berlin Museums erworben wurde und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet. Da die Provenienz des Objekts zwischen 1933 und 1945 Lücken aufweist, ist das Jüdische Museum Berlin bemüht diese durch gezielte Recherchen aufzuklären.

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