Seder-Teller

Harriete Estel Berman

2002/322/0
Judaica/Angewandte Kunst
Blech, bedruckt; Acrylglas; Messingschrauben und -nägel
San Mateo, Kalifornien 3.2003
Höhe: 5.3 cm Breite: 27.9 cm Tiefe: 59.7 cm
Auf der Unterseite: "Harriete Estel Berman"
siehe Beschreibung
siehe Signatur
Friedlander, Michal: "Seder-Teller", in: Jüdisches Museum Berlin (Hg.): Heft "7x bezeichnet". gesammelt gefaltet gezählt, Nicolai Verlag 2009 (Abb.) Kontextinformationen: Alpert, Rebecca: Like Braed on the Seder Plate, Lesbian and Jewish: What's the Problem?, New York 1998, S. 2-3, S.170-171. Broadrup Lieberman, Elizabeth: Commissions, in: Metalsmith Spring 2004, Vol. 24, Nr. 2, S. 56.
Der Seder-Teller ist rechteckig gestaltet und mit einem Rahmen und Sprossen versehen. Die Sprossen gliedern den Teller in acht kleinere Flächen. Auf dem Rahmen und den Sprossen ist ein Wohnhaus abgebildet. Auf den kleineren Feldern dazwischen befinden sich vor dunkelblauem Hintergrund einzelne Darstellungen, die teilweise direkt oder indirekt auf die symbolischen fünf Speisen verweisen, die traditionell auf dem Seder-Teller liegen. Auf der linken Seite sind von oben nach unten die Darstellung einer Orange, einer Weintraube (Wein), zweier Schafe (angebratene Lammkeule) und einer Mauer aus Backsteinen (Charosset) zu sehen. Auf der rechten Seite folgen von oben nach untern die Darstellungen von Meerrettich, der Bucht von San Francisco mit der Golden Gate Bridge im Hintergrund, drei Eiern und einer weißen Haustüre.

Der Teller ist an den Außenseiten des Rahmens mit englischen Inschriften versehen. An der rechten Außenseite steht "Place before Us these Symbols of Pesach" (= Lege vor uns diese Pessach-Symbole), daneben "from the series" (= aus der Reihe) und an der oberen Außenseite: "An Orange belongs on A Seder Plate" (= eine Orange gehört auf einen Seder-Teller).

Der Seder-Teller wurde von der amerikanischen Künstlerin Harriete Estel Berman entworfen und hergestellt. Sie nutzte für die Herstellung des Tellers ungewöhnliche, recycelte Materialien, wie bedrucktes Blech von Puppenhäusern, Blechdosen, Plexiglas und Aluminiumschrauben.

Die Künstlerin bricht bei der Gestaltung dieses Kunstwerks sowohl mit der traditionellen Form als auch den traditionellen Darstellungen auf Seder-Tellern. Gerade dadurch erhält dieses Kunstwerk eine modifizierte und neue symbolische Aufladung mit teils religionskritischem Impetus. Denn etwa durch die Hinzufügung einer Orange setzt die Künstlerin ein feministisches Statement in Bezug auf die Teilhabe von Frauen am Judentum. Die Orange gilt seit den 1980er Jahren als feministisches Symbol auf Seder-Tellern.
Die Einführung dieses Symbols als Zeichen für die Inklusion marginalisierter jüdischer Gruppen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft wird der feministischen Hochschullehrerin und Autorin Susannah Heschel zugeschrieben.

Die Künstlerin hat diesen Seder-Teller als Auftragsarbeit für das Jüdische Museum Berlin angefertigt. Auch in der Sammlung des Jewish Museums New York befindet sich ein vergleichbares Objekt der Künstlerin.

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