13. Das Hekdesch. Aus der Mappe "Fischke der Krumme"

Rachel Szalit-Marcus (3.7.1894 - 1942), Mendele Moicher Sforim (1836 - 8.12.1917)

2002/326/13
Kunst
Druckgrafik
Lithografie
Berlin: Propyläen-Verlag 1922
Höhe: 53.2 cm Breite: 35 cm Gesamtmaß
u.r. (Bleistift): R. Szalit-Marcus
u.M. (Prägestempel): 13
Lithographie auf Maschinenbütten von Rachel Szalit-Marcus (1894-1942) aus der Mappe "Fischke der Krumme" mit Illustrationen zum gleichnamigen Roman von Mendele Mocher Sforim (1836-1917):
Die Lithographie trägt nur unten in der Mitte eine einprägte Nummerierung und keinen Titel.

Schiefes, halb verfallenes Haus hinter Staketenzaun mit rauchendem Schornstein.
Beschreibung des Blattes im Erläuterungstext (2002/326/17.002): "Dieses Hekdesch, zugleich Herberge, Krankenhaus und Totebkammer, ist die verweifelteste Pestbude, die Fischke je getroffen hat. 'Es sah aus wie eine alte verfallene Schenke. Die Wände standen schief, das Dach war wie eine zerknitterte Mütze und ragte vorn in die Höhe und berührte hinten beinahe die Erde. Man sah dem Gebäude an, daß es einstürzen und wie ein Misthaufen am Boden liegen möchte. Die Leute vom Städtchen haben aber ihr Hekdesch mit Stangen gestützt und ihm zugeredet, noch hundertzwanzig Jahre so zu stehen.'
Fischke hört plötzlich die wütende, fluchende Stimme des Rothaarigen und beobachtet, wie ine schweres Bündel durch die Tür fliegt. Im Mondschein erkennt Fischke, das das Bündel eine menschliche Gestalt ist, die regungslos daliegt. Das bucklige Mädel. Fischke führt die Bewußtlose ins Leben zurück, hüllt sie in seinen Kaftan, legt sie hin und bald schläft sie sorglos wie ein kleiner Vogel. Dieser Rettungsakt verbindet die beiden für diese Zeitlichkeit. . Auf seine blinde Frau hat Fischke keine Rücksicht mehr zu nehmen; sie ist dem Rothaarigen hörig, und Fischke betreibt die Scheidung im stillen und offen. Was zieht Fischke zu dem armen und gepeinigten Mädel, daß doch so häßlich ist. Waren es die beiden großen leuchtenden Augensterne? Fischke spricht es selber aus. 'Mich bezauberte ihre Güte, Ihr Mitleid mit mir: sie bemitleidete mich wie einen Bruder und ich sie wie eine Schwester. Das war es!' Die Lust zu leben kommt wieder über beide. Eines Abends sitzen sie, einander tröstend, im Grünen. Da taucht der Rothaarige auf. Er steigt behutsam in den Keller eines reichen Juden, um zu stehlen. Fischke sieht es und will den Kerl in seiner eigenen Falle fangen. Doch Faibuschke ist schneller. Aus Wut ertappt zu sein, stößt er Fischke in den Keller hinunter und wirft die Tür ins Schloß."

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