2005/18/33
Judaica/Angewandte Kunst
Baumwolle, bedruckt
Frankfurt a.M. 1912
Höhe: 112 cm Breite: 41 cm
Am unteren Rand: Entwurf von E. Mannheimer/ Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a.M.
S. Beschreibung
Vergleichsobjekte: Heuberger, Georg (Hg.): Die Pracht der Gebote. Die Judaica-Sammlung Frankfurt am Main, Köln 2006, S. 280-281, S. 501 (JMF-83-7, JMF 87-24) Swetschinski, Daniel (Hg.): Orphan Objects. Facets of the textiles collection of the Joods Historisch Museum, Kat. Joods Historisch Museum Amsterdam, Amsterdam 1997, S. 177 Kirshenblatt-Gimblett, Barbara (Hg.): Fabric of Jewish Life, Textiles from the Jewish Museum Collection, New York 1997, Nr. 229 Wiesemann, Falk (Hg.): Kommt heraus und schaut: Jüdische und christliche Illustrationen zur Bibel aus alter Zeit, Essen: Klartext-Verlag 2002, S. 115 Christie's: Fine Judaica (26.6.1984), Auktionskat., New York1984, S. 30. Kestenbaum & Company: Fine Judaica. Books, manuscripts and works of art. Hebrew printed books and manuscripts (18.12.2008), Auktionskat. Kestenbaum & Company, New York 2008.
Schenkung von Peter Jacoby
Auf dem hochrechteckigen Seder-Wandbehang aus bedruckter, weißer Baumwolle sind auf dem oberen Ende mittig zwei steigende, bekrönte Löwen, die eine bekrönte Kartusche in Schildform mit den Vorderpranken halten, dargestellt. Die Kartusche ist mit einer hebräischen Inschrift versehen:
"Et chag ha-mazzot tischmor" (Gedenke des Feiertages der Mazot) / le-schana ha-ba'a bi-Jeruschalajim (Das kommende Jahr in Jerusalem), charosset, bejza, seroa, maror, karpass, chaseret (Lehmgemisch, Ei, gerösteter Knochen, Bitterkraut, Salzwasser).

Unterhalb der Löwen befinden sich links und rechts jeweils vier untereinander angeordnete Bildszenen mit Motiven aus der Amsterdamer Pessach-Haggada von 1695/1712. Unterhalb der Abbildungen befinden sich jeweils passende hebr. Inschriften aus der Tora (Schemot) und aus der Pessach-Haggada.

Rechte Seite, von oben nach unten:
Essen des Pessach-Lammes. Inschrift: Schemot 12:11
Die Israeliten verlassen Ägypten. Inschrift: Schemot 13:16b
Die israelitischen Sklaven bei der Arbeit. Inschrift: Schemot 1:13
Die Streitwagen der Ägypter versinken im Meer. Inschrift: Schemot 15:1b

Linke Seite, von oben nach unten:

Häusliche Seder-Szene. Inschrift: Schemot 13:8
Die vier Söhne. Inschrift aus der Pessach-Haggada: "der Weise, der Einfältige, der Böse, der nicht zu Fragen versteht; "Moses vor dem Pharao. Inschrift: Schemot 4:17
Tötung der erstgeborenen hebräischen Knaben. Inschrift: Schemot 1:22

In der Mitte zwischen den Abbildungen befinden sich weitere hebr. Inschriften zum Verlauf des Seder-Abends, sowie die Darstellung der vier Becher Wein, die traditionell an diesem Abend getrunken werden. Im unteren Teil befinden sich die bildlichen Darstellungen der zehn Plagen. Die Herkunft dieser Abbildungen ist unbekannt. V.r: Blut, Frösche, Läuse, wilde Tiere, Viehpest, Aussatz, Hagel, Heuschrecken, Finsternis, Tod der Erstgeborenen. Die hebr. Bezeichnungen stehen jeweils oberhalb der Bilder. Auf der letzten Abbildung nach Matthäus Merian dem Älteren (Icones Biblicae, Strassberg, [1625] -1630), die sich in der Mitte des unteren Viertels befindet, ist der Salomonische Tempel in Jerusalem zu sehen, der links und rechts von weiteren hebr. Inschriften umgeben ist. Abschließend steht auf hebr.: "Nächstes Jahr in Jerusalem". Mit diesem Wunsch endet traditionell der Seder-Abend.

Die genaue Funktion dieses Textils ist nicht bekannt. Es gibt jedoch Theorien hierzu, die Folgendes besagen: i. Das Textil diente für die Dauer des Seder-Abends als Wandbehang für die besinnliche Betrachtung. ii. Während des Seder-Abends werden die Hände nach dem Trinken des ersten Bechers Wein einer rituellen Waschung unterzogen. Das Tuch wurde möglicherweise über das Handtuch gelegt, das zum Abtrocknen der Hände benutzt wurde oder iii. Es wurde selbst zum Abtrocknen der Hände verwendet.

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