2013/225/0
Judaica/Angewandte Kunst
London 1945 bis 1990
Höhe: 6.4 cm Durchmesser: 16 cm D= max. Wert (nicht symetrisch)
Auf der Unterseite, in rot-braun: "F"
Zu Margarete Marks (geb. Heymann, verw. Loebenstein) im Exil: Hudson-Wiedemann, Ursula: Exil in Großbritannien: Die Keramikerin Grete Loebenstein-Marks, in: Grenville, Anthony (Hg.): Refugees from the Third Reich in Britain (=The yearbook of the research centre for German and Austrian exile studies, 4), S. 151-172.
Schenkung von Frances Marks
Das Schälchen ruht auf einem kleinen, runden Standring. Die steile Wandung ist an vier Stellen eingedrückt, so dass sie eine wellenförmige Struktur erhält. Der obere Rand des Schälchens mündet durch die Wellenstruktur in eine Kleeblattform. Die Außenseite des Schälchens ist glatt geformt. Innen verlaufen feine, senkrechte Streifen, die plastisch hervortreten.
Innen und außen ist die Schale in abgestuften Brauntönen mit einem ringförmig angeordneten Muster in Muscheloptik bemalt.

Dieses Schälchen wurde von der Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein im englischen Exil gefertigt. Heymann-Loebenstein war 1936 aus Berlin, wo sie eine renommierte Keramik-Fabrik leitete, nach England emigriert. 1923 hatte sie bei Berlin die "Haël-Werkstätten" gegründet. Moderne Formen, abstrakte Dekors und ungewöhnliche Glasuren waren das Markenzeichen der "Haël-Werkstätten". Nach 1933 musste Margarete Heymann-Loebenstein die Produktion ihres Betriebs einstellen. Im Jahr 1934 wurden die Haël-Werkstätten arisiert. In der Emigration setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort. Sie war seit Ende 1936 freiberuflich für diverse Potteries tätig und lehrte an der Burslem School of Arts. In England war sie dazu gezwungen sich in Form, Dekoration, Glasur und Farbe den dortigen Keramikdesigns anzupassen. Das für ihr Schaffen bis dato charakteristische Avantgardedesign wurde von Heymann-Loebenstein durch gedeckte Farben und floral-figürliches Dekor ersetzt. An ihre großen Erfolge in Deutschland konnte sie nicht anknüpfen. Nachdem die verwitwete Künstlerin 1938 erneut heiratete, nahm sie den Nachnamen "Marks" an. In demselben Jahr gründete sie gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann, Harold Marks, das kleine Unternehmen "Greta Pottery". Dieser Betrieb musste jedoch kriegsbedingt bereits 1940 schließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete Marks sich ein Studio Pottery in London ein. Ihre Werke aus dieser Zeit waren stark von dem Schaffen der ebenfalls nach England emigrierten Keramikerin Lucie Rie beeinflusst. Davon zeugt auch dieses Schälchen, das aus der nach 1945 anbrechenden Schaffensphase der Künstlerin stammt. Margarete Marks starb 1990 in London.

Wissen Sie mehr zu diesem Objekt?
Haben Sie vielleicht einen Fehler gefunden?

Schreiben Sie uns:

Nach oben springen