2013/228/0
Judaica/Angewandte Kunst
Marwitz bei Berlin um 1930
Höhe: 23.5 cm Breite: 23.5 cm Tiefe: 7.5 cm
Theis, Hans Joachim: Berlin und Brandenburg Keramik der 20er und 30er Jahre, Deutsches Historisches Museum, 1992, S. 128, Abb. 267. Weber, Klaus: Keramik und Bauhaus, Berlin, Kupfergraben, 1989, S.210, Abb. 97. Zur Keramikerin Margarete Heymann-Marks: Grosskopf, Anna: Lebenswege - Margarete Heymann-Marks (1899-1990), in: Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919-1933, Ausst.Kat. Bröhan-Museum, Berlin 2012, S. 50-77.
Schenkung von Frances Marks
Die Wanduhr ist quadratisch mit abgerundeten Ecken gestaltet und mit einem 8-Tage-Gehwerk ausgestattet. Sie ist allseitig uranrot glasiert. Das Zifferblatt ist kreisrund angeordnet und besteht aus erhabenen Zahlen, die schwarz glasiert sind. Bei geschlossenen Ziffern (0, 6, 8) ist auch der Innenraum schwarz ausgefüllt. In der Mitte sind schwarze Stunden- und Minutenzeiger aus Metall befestigt. Der Minutenzeiger hat die Form einer Speerspitze. Circa zwei Centimeter unterhalb der Mitte befindet sich eine kleine Öffnung, durch die man mit einem Schlüssel das Uhrwerk aufziehen kann. Das Gehwerk der Uhr ist auf der Rückseite befestigt. Zum Gehwerk gehört ein Metall-Pendel, das in die Mechanik eingehakt wird, von vorne aber nicht sichtbar ist.

Die Wanduhr stammt aus der Werkstatt der Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gustav Loebenstein und ihrem Schwager hatte sie 1923 in einer alten Ofenfabrik bei Berlin die "Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik" gegründet. Der Name Haël setzte sich aus "H" für Heymann, dem Mädchennamen der Künstlerin, und "L" für Loebenstein zusammen. Margarete Heymann-Loebenstein oblag die künstlerische Leitung des Betriebs. Nachdem ihr Ehemann und Schwager 1928 bei einem Autounfall ums Leben kamen, übernahm sie die gesamte Leitung des Betriebs. Moderne Formen, abstrakte Dekors und ungewöhnliche Glasuren waren das Markenzeichen von Margarete Heymann-Loebenstein.

Nach 1933 musste sie, die doppelt als Jüdin und moderne Künstlerin von den Nationalsozialisten diffamiert wurde, die Produktion ihres Betriebs einstellen. Im Jahr 1934 wurden die Haël-Werkstätten arisiert, zwei Jahre darauf gelang der Keramikerin die Emigration nach England. In England setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort. Nachdem die verwitwete Künstlerin 1938 erneut heiratete, nahm sie den Namen "Marks" an. Sie starb im Jahr 1990 in London.

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