2013/233/0
Judaica/Angewandte Kunst
Marwitz bei Berlin 1923 bis 1933
Höhe: 6.4 cm Durchmesser: 22 cm
Auf der Unterseite,in blau: Pinselmarke der Haël-Werkstätten; darunter: "192a", "144"
192a 144
Vergleichsobjekte: Katalog Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik GmbH, Marwitz b. Velten ca. 1930, S. 5, Nr. 192a (Abb.). Ofen- und Keramikmuseum Velten (Hg.): Haël - Keramik - wenig bekannt, bei Sammlern hoch geschätzt. Haël Werkstätten für künstlerische Keramik Marwitz, Ausstkat., Velten 2006, S. 8 (Abb. Form 192a).
Die Schale ist rund, ruht auf drei kleinen Füßchen und hat eine hochgezogene Fahne. Die Grundfarbe der mattglasierten Schale ist Beige. Darauf ist ein abstraktes, grünes Muster aus Kreisen, Linien, Rauten, Wellen und Punkten aufgemalt.

Die Schale wurde in der Werkstatt der Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein gefertigt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gustav Loebenstein und ihrem Schwager hatte sie 1923 in einer alten Ofenfabrik bei Berlin die "Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik" gegründet. Der Name Haël setzte sich aus "H" für Heymann, dem Mädchennamen der Künstlerin, und "L" für Loebenstein zusammen. Margarete Heymann-Loebenstein oblag die künstlerische Leitung des Betriebs. Nachdem ihr Ehemann und Schwager 1928 bei einem Autounfall ums Leben kamen, übernahm sie die gesamte Leitung des Betriebs. Moderne Formen, abstrakte Dekors und ungewöhnliche Glasuren waren das Markenzeichen von Margarete Heymann-Loebenstein.

Nach 1933 musste sie, die doppelt als Jüdin und moderne Künstlerin von den Nationalsozialisten diffamiert wurde, die Produktion ihres Betriebs einstellen. Im Jahr 1934 wurden die Haël-Werkstätten arisiert, zwei Jahre darauf gelang der Keramikerin die Emigration nach England. In England setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort. Nachdem die verwitwete Künstlerin 1938 erneut heiratete, nahm sie den Namen "Marks" an. Sie starb im Jahr 1990 in London.

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