Sammlung Familie Hirschberg

Konvolut/288/0
Schwetz, Berlin-Charlottenburg, Provinz Westpreußen 1844 bis 1947
Die Sammlung enthält Dokumente, Fotografien und Objekte zu drei Generationen der aus Westpreußen stammenden Familie Hirschberg. Sie datieren aus dem 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Durch den langen Zeitraum lassen sich der soziale Aufstieg zum Bürgertum von mehreren Generationen der Familie sowie die Binnenwanderung aus den deutschen Ostprovinzen nach Berlin darstellen. Der Kürschner Hermann Hirschberg (1822-1919) übte beinahe 50 Jahre lang in seiner Heimatstadt Schwetz das Amt des rituellen Beschneiders aus und hinterließ ein Verzeichnis (Mohelbuch), in dem alle von ihm vorgenommene Beschneidungen aufgelistet sind. Für seine Königstreue während der Revolutionszeit 1848/49 wurde Hirschberg mit der preußischen Denkmünze ausgezeichnet, die auch Teil der Sammlung ist. Zwei seiner Söhne, Max Hirschberg (1864-1942) und Oskar Hirschberg (1866-1945), studierten Medizin und praktizierten später als Ärzte in Berlin. Ihre Ausbildung und ihre berufliche Tätigkeit spiegeln sich in zahlreichen Dokumenten und in mehreren Praxisschildern aus unterschiedlichen Jahrzehnten wieder. Zu den beruflichen Papieren zählen auch Dokumente aus der NS-Zeit, die den Entzug der Kassenzulassung 1938 betreffen. Oskar Hirschberg, der mit einer Nichtjüdin verheiratet war, wurde von den Machthabern gestattet, als "jüdischer Krankenbehandler" weiter zu praktizieren. Überliefert sind einige Patientenunterlagen aus den Jahren 1939 bis 1945. Aus der Enkelgeneration lässt sich insbesondere das Leben von Erich Hirschberg (1893-1918) nachzeichnen, der ebenfalls Medizin studierte und während seines Studiums der KC-Studentenverbindung "Ghibbellinia" angehörte. Fotos und Objekte, darunter Mützen und Fuchsenbänder, geben Einblicke in das gesellige Leben eines jüdischen Burschenschaftlers. Überliefert sind auch Dokumente, die seinen Soldatentod im Ersten Weltkrieg betreffen. Zur Sammlung zählen außerdem ca. 40 Fotos von Familienangehörigen, die nicht identifiziert sind. Die meisten entstanden um die Jahrhundertwende, teilweise in den USA und in Südafrika, wohin Familienmitglieder ausgewandert waren.

Die Schlagworte beziehen sich auf den gesamten, im angehängten Findbuch aufgeführten Bestand.

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