Tora-Schild (Tas)

Johann Heinrich Schneider

2014/318/1
Judaica/Angewandte Kunst
Silber, getrieben, teilgegossen, graviert, teilvergoldet, montiert
Kitzingen laut Inschrift jüdisches Jahr 5472 1711 bis 1712
Höhe: 31 cm Breite: 21 cm Tiefe: 3 cm H= ohne Kette, mit Glocken H mit Kette gesamt: 56 cm Ketten Länge: 27 cm Glocken: 24,00 cm
Vorderseite, unterer Rand: BZ: "K" (Scheffler 56, R3 2671); MZ: "IHS" im Oval (Scheffler 68)
Brust des Adlers, im Wappen: "K[eter]" und "T[ora]" (= Krone der Tora); Kartusche am unteren Rand: "Josef Bar Jeschaija / Elieser "S[ichrono]" "L[iwracha]" / "L[i] f[rat] k[atan]" ( = nach der kleinen Zeitrechnung).
Scheffler, Wolfgang: Goldschmiede an Main und Neckar, Verl. Kunst u. Antiquitäten, Hannover, 1977. Vergleich: Sotheby's, Important Judaica, June 5, 2019, Lot 52: Torah shield by Georg Ludwig Langenhan, Kitzingen. Jüdisches Museum München: "Sieben Kisten mit jüdischen Material": Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute, Heintrich & Heintrich, Berlin u. Leipzig, 2018. S. 186-187. Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunt- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central ARchives of the Hisory of the Jewish People und dem Jüdischen Museum Franken, Fürth-Jerusalem, 1998, S. 703.
Das Tora-Schild ist bis auf drei halbkreisförmige Aufsätze am oberen Rand in einer fast quadratischen Form gearbeitet. An der Oberseite von jedem der drei Aufsätze ist jeweils eine Kette befestigt. Der mittlere Aufsatz, der auch etwas größer ist, als die beiden anderen, ist mit einer aufmontierten Spangenkrone besetzt, die jeweils links und rechts von einem steigenden Löwen mit den Vorderpranken gehalten wird. Die Oberseite der Krone ist mit einer Kugel bekrönt. Auf der Kugel befindet sich ein fünfzackiger Stern. Unterhalb der Spange der Krone ist ein kleines Gefäß in Form eines Eimers angebracht. Der Eimer könnte das Sternzeichen (des Wassermanns) für Josef bar Jeschaija darstellen, der in der Inschrift erwähnt wird. Die Löwen stehen jeweils auf einer gedrehten Säule, die sich links und rechts auf dem Schild befindet. Als Basen der Säulen dienen quadratische Postamente, die jeweils in den unteren Ecken des Schildes positioniert sind. Auf der Vorderseite der Postamentfläche der beiden Säulen ist jeweils ein einzelner Maskaron angebracht, der einen Frauenkopf darstellt. Diese sind offenbar späteren Datums und vermütlich Ersatz für frühere Ornamente.
Unterhalb der Spangenkrone ist ein doppelköpfiger Adler mit ausgebreiteten Schwingen aufgebracht. Darunter befindet sich eine aufgesetzte, rechteckige Kartusche zum Einschieben der (sechs) Hinweisschildchen für die Paraschot. Der Ausschnitt auf der Vorderseite der Kartusche ist umlaufend mit einem Eierstabdekor versehen und der äußere Rand mit einem Zierrahmen, der so gestaltet ist, wie der Rahmen der Grundplatte.
Unterhalb der Kartusche ist eine Plakette an der Grundplatte angebracht, die Spuren von Vergoldung aufweist. Diese benennt den Eigentümer des Tora-Schilds (s. Inschrift). Auf der Namenstafel wird das Datum durch sechzackige Sterne gekennzeichnet, die über acht der hebräischen Buchstaben eingraviert sind. Wenn die Zahlenwerte dieser Buchstaben addiert werden, ergibt dies das hebräische Datum, nach der kleinen Rechnung: '472. Dieses Datum entspricht dem Jahr 1711/1712 im gregorianischen Kalender.
Am unteren Rand der Grundplatte sind mittels Ketten drei Glöckchen befestigt, die in gleichen Abständen zueinander angeordnet sind. Auch die Glöckchen weisen Spuren einer ehemalig vorhandenen Vergoldung auf. Der gesamte äussere Rand der Grundplatte ist umlaufend mit einem punziertem Zierrand aus Blattwerk umrandet.

Das Tora-Schild gehört zu einer Gruppe von Schilden aus dem frühen 18. Jahrhundert, die in Kitizingen hergestellt wurden und die sich im Stil ähneln. Sie wurden in den Werkstätten von Johann Heinrich Schneider, wie in diesem Fall, und Johann Ludwig Langenhahn hergestellt.

Dieses Tora-Schild gehörte der Familie Falk, die über Generationen im hessischen Wallau lebte. Veronika Sittenheim kam aus Obereuterheim, 40 km nördlich von Kitzingen, wo dieser Schild hergestellt wurde. Sie brachte den Schild in die Familie, als sie Leopold Falk heiratete. Der Tora-Schild wurde zu Hause aufbewahrt und von einem Familienmitglied zur örtlichen Synagoge und zurück zu den Synagogengottesdiensten getragen.

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