2016/169/0
Kunst
Gemälde
Öl auf Leinwand
(überarbeitet) 1930 bis 1934
Höhe: 160.5 cm Breite: 200.2 cm Tiefe: 2.5 cm
auf Keilrahmen: o.r. (Aufkleber): "21"
Inmitten einer großen Meschenmenge steht ein Prediger mit zum bewölkten Himmel erhobenen Armen. Im Hintergrund sind Gebäude sowie eine Kirche zu sehen.

Steinhardt nimmt hier das Motiv des Propheten auf, mit dem er sich schon 1912/31 als Mitglied der Künstlergruppe "Die Pathetiker" intensiv auseinandergesetzt hatte.
Das Werk wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, vermutlich für seine Ausstellung im Bezalel-Nationalmuseum in Jerusalem 1934, stark überarbeitet: Den Hintergrund bildet nun nicht mehr eine Großstadt mit Hochhäusern sondern eine "typisch deutsche" Kleinstadt. Mühlhausen in Thüringen, der Wohnort von Steinhardts Schwester, diente hier als Vorbild. Dass Mühlhausen die Stadt war, in der Thomas Münzer hingerichtet wurde, verleiht dem Motiv zusätzlich eine sozialkritische Dimension. Die Figuren im Vordergrund lassen sich als die sieben Todsünden deuten. Diese sind freilich keine jüdische, sondern eine christliche Tradition. Interessant ist jedoch die Parallele zu dem zeitgleich entstandenen satirischen Ballett "Die sieben Todsünden der Kleinbürger" von Bertolt Brecht und Kurt Weill.
Bis zum Tod Jakob Steinhardts 1968 hing der "Sonntagsprediger" in seinem Atelier in Jerusalem und später in Nahariya.

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