Album zum Abschied von Margot (1913-2010) und Ernst Rosenthal (1898-1971) vor ihrer Emigration in die USA

Bruno Heidenheim (20.8.1885 - 24.12.1940)

2017/285/0
Archiv
Karton, Papier, Fotografie, Farbstift, Tinte
Chemnitz 10.12.1936
Höhe: 33.5 cm Breite: 26 cm Tiefe: 3 cm aufgeklappt siehe Sondermaße
Schenkung von Karin und Steve Rosenthal
Das hochformatige Album wurde von Bruno Heidenheim zum Anlass der Ausreise Margot und Ernst Rosenthals in die USA gestaltet. Am Beginn steht eine Widmung der Freunde Bruno und Eva Heidenheim und ihrer Tochter Annemarie vom 10. Dezember 1936.

Insgesamt beinhaltet das Album 36 großformatige Seiten. Im Mittelteil finden sich 12 Kapitel, wobei Kapitel 1 auf Seite 13 und Kapitel 12 auf Seite 30 beginnt. Die Seiten sind gefüllt mit handschriftlichen hinzugefügten Versen und Sprüchlein, sowie verziert und bebildert mit Ausschnitten aus Zeitungen, Magazinen, Werbeprospekten, Comic-Heften, die zusammen eine fortlaufende Geschichte ergeben und mit viel Witz angeordnet und montiert sind. Sprachlich zeigt sich das Album mitunter derb, kalauerhaft, zugleich spielen der Abschied und eine gewisse Trauer über die Abreise der Freunde ein Rolle, die immer wieder durchscheint.

Die Kapitel behandeln jeweils ein "amerikanisches" Thema:
Kapitel 1 bis 3 klärt über us-amerikanische Gepflogenheiten und Verpflichtungen eines Gentlemans im öffentlichen Raum auf, besonders gewichtet wird hier der Umgang mit Damen.
Kapitel 4 weist auf sprachliche Tücken hin, die die Auswanderer unbedingt beachten sollten, um nicht unangenehm aufzufallen. Diese Vokabeltipps finden sich indes über das gesamte Album verteilt.
Kapitel 5 gibt eine Einführung in us-amerikanische Tischsitten.
Kapitel 6 behandelt Kleidungskonventionen und führt vor allem in die Kunst des Trinkgeldgebens ein.
Kapitel 7 erläutert us-amerikanische Vorstellungen von Körperhygiene, so seien lange Haare, langer Bart nicht gern gesehen.
Kapitel 8 widmet sich der us-amerikanischen Weise des Körperschmucks und rät zu einer Blume im Knopfloch.
Kapitel 9 stimmt auf den us-amerikanischen Büroalltag ein und gibt Empfehlung für ein glaubwürdiges Auftreten als "Boss".
Kapitel 10 erklärt und warnt zugleich vor der us-amerikanischen Kultur des Ausspuckens.
Kapitel 11 lehrt die korrekte Verwendung und Verzehr eines Kaugummis.
Kapitel 12 verhandelt schließlich die us-amerikanische Saloon-Welt.

Der Verfasser, Bruno Heidenheim, starb 1940 an den Folgen der Zwangsarbeit, zu der er verpflichtet wurde. Seine Frau Eva und die Tochter Annemarie emigrierten nach dem Zweiten Weltkrieg.

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