KGM 81/165/0
Judaica/Angewandte Kunst
Silber; gegossen, montiert
Hanau ca. 1900 bis 1935
Höhe: 60 cm Breite: 47 cm Tiefe: 27 cm
Auf dem Fuß: MZ: "EgF" (Emil Freund Metall- und Silberwarenfabrik); "800", Mond und Reichskrone
Landesmuseum Münster/Sofer, Zvi (Hg.): Jüdisches Jahr, Jüdischer Brauch, Ausst.Kat., Münster 1972, Nr. 158, S. 72. Sofer, Zvi (Hg.): Jüdischer Alltag, Jüdischer Festtag, Ausst.Kat. Lübeck/Duisburg/Hannover 1975, Nr. 170, S. 72; Die Sammlung Zvi Sofer, Ausst.Kat., Hameln 1980, Nr. 158, S. 71. Berlin-Museum (Hg.): Katalog der Neuerwerbungen. Sammlung Sofer. Jüdisches Kultgerät, Kat. Berlin-Museum / Abteilung Jüdisches Museum, Berlin 1982, S. 73, Abb. 227. Berlin Museum (Hg.): Judaica, Berlin 1989, S. 267, Abb. 169. Zur Judaica-Produktion in Hanau: Friedlander, Michal S.: Tradition as Commodity: The Production of Jewish Ceremonial Objects in Hanau am Main, in: Studia Rosenthaliana, Vol. 37 (2004), S. 163-191, hier S. 171-173. Abb.
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Sechs gegossene Löwen tragen einen hexagonal geformten, fünffach getreppten Fuß. Auf Höhe der obersten Treppung befindet sich ein umlaufendes Zierband mit Schlangenlinien und Blüten. Darüber schließt der Fuß mit sechs trapezförmigen Feldern ab, die jeweils mit einem Blumenbuket vor mattem Hintergrund dekoriert sind. Vom Fuß aus erhebt sich der mehrfach gegliederte, sich verjüngende Schaft, der von einer Flamme bekrönt wird. Die unteren zwei Glieder des Schafts behalten die hexagonale Form des Fußes bei und sind reich mit floralen Mustern verziert. Darüber befindet sich ein rund geformtes Glied des Schaftes, das mit Akanthusblattwerk verziert ist. Darauf ist der Schaft abwechselnd mit vier Einschnürungen und vier Nodi versehen. Von den Einschnürungen gehen beidseitig vier Leuchterarme aus. Die Leuchterarme sind jeweils auf halber Länge mit einem Kugelelement versehen und münden in Kerzenhaltern. Der Leuchterarm für den Schmasch ("Diener") ist abnehmbar.

Der Chanukka-Leuchter wurde von der "Metall- und Silberwarenfabrik" Emil Freund in Hanau hergestellt. Hanau bildete seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum für die serielle Silberwarenproduktion, auch von jüdischen Zeremonialobjekten. Die Firma Emil Freund warb in den 1920er Jahren in der "Deutschen Goldschmiede Zeitung" dafür, dass sie als Spezialität "Israelitische Kultus-Gegenstände" herstelle. Ob diese Firma jüdische Inhaber hatte, ist bisher nicht bekannt. Meist produzierten Hanauer Silberwarenfabriken, die in nichtjüdischem Besitz waren, auch jüdische Zeremonialobjekte. Denn Judaica machten für die Silberschmiede des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein wichitges Marktsegment aus.

Dieser Chanukka-Leuchter war Teil der Sammlung Zwi Sofer, die 1981 für die Jüdische Abteilung des Berlin Museums erworben wurde und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet. Da die Provenienz des Objekts zwischen 1933 und 1945 Lücken aufweist, ist das Jüdische Museum Berlin bemüht diese durch gezielte Recherchen aufzuklären.

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