Chanukka-Lampe

KGM 81/200/0
Judaica/Angewandte Kunst
Messing; gegossen, graviert
Ost-Galizien oder West-Ukraine um 1800
Höhe: 33.5 cm Breite: 31 cm Tiefe: 16 cm
Narkiss, Mordechai: The Hanukkah Lamp, Jerusalem 1939, S. 88. Landesmuseum Münster/Sofer, Zvi (Hg.): Jüdisches Jahr, Jüdischer Brauch, Ausst.Kat., Münster 1972, Kat. 155, S. 71, Abb. S. 101. Sofer, Zvi (Hg.): Jüdischer Alltag, Jüdischer Festtag, Ausst.Kat. Lübeck/Duisburg/Hannover 1975, Nr. 155, S. 70, Abb. S. 103. Bendt, Vera/Berlin Museum (Hg.): Judaica-Katalog, Berlin 1989, Nr. 184, S. 281, Abb. S. 282. Braunstein, Susan L.: Five Centuries of Hanukkah Lamps from the Jewish Museum. A Catalogue Raisonné, New York 2004, S. 285. Schütz, Chana/Simon, Hermann (Hg.): Bestandsrekonstruktion des Berliner Jüdischen Museums in der Oranienburger Straße, Berlin 2011, Kat. 60, S. 111.
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Diese massive Chanukka-Lampe wurde aus Messing gegossen und besteht aus fünf ineinandergesteckten Hauptteilen: eine Leiste mit acht Öl-Wannen, zwei geschwungene Seitenteile in Form von stilisierten, steigenden Löwen mit montierten Kerzenhaltern samt breiter Tropfenfänger, eine filigran durchbrochene Front, die seitlich mit Vögeln verziert ist, sowie eine als Architekturfassade gestaltete Rückwand. In der Mitte der Rückwand befinden sich eine rundbogige Tür und Fenster; die Tür ist von zwei Säulen flankiert. Die darüber aufgebaute Galerie mit acht Fenstern und einem Dach vervollständigen die Konstruktion der Fassade. Auffällig ist die ovale Öffnung über der Tür. Einer der zwei Kerzenhalter mit Tropfenfänger wurde später nachgegossen und ersetzt.

Bei dieser Chanukka-Lampe handelt es sich um ein ursprünglich in Ostgalizien und der Ukraine im 18. und 19. Jahrhundert entwickeltes Modell. Die architektonischen Gestaltungselemente dieses Chanukka-Lampen-Typs (Bögen, Fenstern, Säulen, Galerie, Dach) sowie deren Verzierung mit Vögeln verweisen einerseits auf die Gestaltung polnischer Holzsynagogen. Andererseits lassen das eingravierte Mauerwerk und die architektonische Ordnung auch auf stadtarchitektonische Vorbilder, also eine eklektizistische Zusammensetzung verschiedener Elemente, schließen (vgl. Braunstein, S. 126).

In den Sammlungen des Jewish Museums New York (Kat. 52) und des Israel Museums in Jerusalem befinden sich Vergleichsobjekte. Auch in der Sammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin befand sich 1932 ein ähnliches Stück, das bei der Auktion der Judaica-Sammlung von Sally Kirschstein, Berlin, erworben worden war.

Diese Chanukka-Lampe war Teil der Sammlung Zwi Sofer, die 1981 für die Jüdische Abteilung des Berlin Museums erworben wurde und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet. Der Sammler Zwi Sofer stammte ursprünglich aus der heutigen Ukraine, also der Ursprungsregion dieses Chanukka-Lampen-Typs. Da die Provenienz des Objekts zwischen 1933 und 1945 Lücken aufweist, ist das Jüdische Museum Berlin bemüht diese durch gezielte Recherchen aufzuklären.

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